even Report #5: Das musst du über automatisierte Palettenlagerung wissen
Automatisierung scheitert selten an der Technik. Dieser Report zeigt, worauf es bei Palette, Systemen und Planung wirklich ankommt.
1961 setzten sich Vertreter europäischer Eisenbahngesellschaften an einen Tisch und einigten sich auf ein Maß: 1.200 mal 800 Millimeter. Der Anlass war denkbar unspektakulär, sie wollten verhindern, dass leere Ladungsträger aufwändig zurücktransportiert werden mussten. Aus dieser Entscheidung wurde einer der wirkungsvollsten Standards der europäischen Wirtschaftsgeschichte.
Heute ist auf dieses Maß fast die gesamte Lagerlogistik kalibriert: Regalbediengeräte, Fördertechnik, Shuttle-Systeme, Warehouse-Software. Im manuellen Lager gleicht ein Mensch kleine Abweichungen einfach aus, eine leicht verzogene Palette, ein loses Brett, das fällt kaum ins Gewicht. Sobald ein Lager automatisiert läuft, wiegt genau diese Abweichung plötzlich schwer. Eine Anlage erkennt die Kontur nicht, schleust aus, der Materialfluss stockt. Was vorher ein Ärgernis war, wird zur teuren Störung.
Damit beschäftigt sich even Report #5: mit der Palette als unterschätzter Grundlage, mit der Frage, woran automatisierte Lagerprojekte in der Praxis tatsächlich scheitern, und mit dem Zusammenspiel aus Lagertechnik, Fördertechnik und Software, das am Ende darüber entscheidet, ob eine Anlage im Alltag so läuft wie auf dem Papier geplant.
Warum ein Report zu diesem Thema?
Automatisierte Palettenlager gehören zu den teuersten Entscheidungen in der Intralogistik, und zu den Entscheidungen, bei denen Anspruch und Realität am weitesten auseinanderfallen können. Dieser Report wurde mit den Menschen entwickelt, die solche Projekte planen und betreiben: Ladungsträger-Spezialist*innen, Anlagenbauer, Software-Anbieter, eine Change-Expertin. Die Einschätzungen kommen von dort, nicht aus dem Prospekt eines Anlagenbauers.
Das erwartet dich im Report
- Automatisierung einordnen
- Warum Automatisierungsprojekte häufiger hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleiben, als der Anlagenbauer verspricht
- Welche Rolle zu optimistische Annahmen über Sortiment, Volumina und Prozessstabilität dabei spielen
- Drei Fragen, mit denen sich die eigene Ausgangslage schon vor der Wirtschaftlichkeitsrechnung realistisch einschätzen lässt
Ein Self-Check zur eigenen Standortbestimmung
2. Die Palette als Grundlage
- Warum die Europalette der unterschätzte Standard hinter fast jeder Lagerlogistik ist
- Dr. Philipp Hüning von Loopario: wo Ladungsträger zwischen WMS, TMS und ERP strukturell aus dem Blick geraten und was das an versteckten Kosten verursacht
Michael Brandt von EPAL im Interview: welche Qualitätskriterien Betreiber schon in der Ausschreibung festlegen sollten, damit ein unkontrollierter Palettenmix automatisierte Anlagen nicht ausbremst
3. Systeme und Software
- Gero Bockelmann von GEBHARDT: warum Lagertechnik, Fördertechnik und Software von Anfang an als ein zusammenhängendes System geplant werden müssen, nicht nacheinander
Dirk Teschner von Infios: was ein WMS und ein WCS im laufenden Palettenlager konkret leisten müssen, von variablen Palettenmaßen über Mischpaletten bis zur Integration mit Yard- und Transportmanagement
4. Marktbild & Ausblick
- Eine Market-Map der Anbieter in der Palettenautomatisierung
- Vier Entwicklungen, die das Thema künftig am stärksten prägen: Arbeitskräftemangel, Standortkonsolidierung, die EU-Verpackungsverordnung PPWR und KI-gestützte Einlagerungsprognosen
- Change-Expertin Imke Leith im Interview: warum Automatisierungsprojekte öfter am Middle Management scheitern als an der Technik
- Eine Zitatstrecke mit Prognosen unserer Autor*innen
Vielen Dank für den wertvollen Input von:
Loopario, EPAL, GEBHARDT Fördertechnik GmbH, Infios GmbH sowie Imke Leith für das Interview.