- Interview
„Palette rein, Palette raus“ reicht nicht mehr
Warum Logistik zum entscheidenden Wachstumspartner für den E-Commerce wird - mit Twenty 5 Logistik GmbH.
In a nutshell: Wer an Logistik denkt, denkt meistens nur an Lagerhallen, Paletten und Versandetiketten. Das Problem: Dieses Bild hat mit der Realität vieler wachsender E-Commerce-Unternehmen immer weniger zu tun. Denn in einer Zeit, in der sich Produkte austauschen lassen, digitale Werbekanäle immer teurer werden und Kundenerwartungen kontinuierlich steigen, gewinnt ausgerechnet ein Bereich an strategischer Bedeutung, der lange nur als notwendige Infrastruktur betrachtet wurde: die Logistik.
Vom Vorurteil zur Leidenschaft
Immer mehr Händler*innen suchen nicht nur einen Dienstleister, der ihre Ware verschickt. Sie suchen einen Partner, der mitdenkt, vernetzt und Wachstum ermöglicht.
Genau dieser Wandel beobachten auch Mandy Böhme (Geschäftsleiterin der Vertriebsorganisation & Marketing) und Hannes Marin (Geschäftsführer) von Twenty 5 Logistik GmbH. Beide sind keine klassischen Logistiker*innen. Und vielleicht sehen sie gerade deshalb Dinge, die in der Branche lange übersehen wurden.
Dass die beiden heute für eine moderne Logistikstrategie stehen, war keineswegs vorgezeichnet. „Früher habe ich immer gesagt, Logistik ist von all diesen Bereichen eigentlich das Unspannendste“, erinnert sich Mandy. Ihre beruflichen Wurzeln liegen im E-Commerce, im Marketing und Vertrieb. Dort beschäftigte sie sich mit Themen wie Payment, SEO, Medienplanung und Onlinehandel. Logistik erschien ihr damals eher als Pflichtprogramm am Ende der Wertschöpfungskette.
Auch Hannes kam über Umwege in den Markt. Nach Stationen in der Versicherungswirtschaft führte ihn eine Kooperation erstmals in die Logistikwelt. Sein erster Eindruck war alles andere als begeisternd. „Mein erstes Gespräch in der Branche begann mit sieben älteren Herren, Krawatten, glänzenden Anzügen und einer Wurstplatte auf dem Tisch“, erinnert er sich schmunzelnd. „Ich dachte nur: Das ist unglaublich unsexy.“ Doch diese Begegnung wurde rückblickend zum Wendepunkt. Heute beschreibt Hannes die Logistik als „das Spannendste, was es geben kann“.
Was beide faszinierte, war letztlich nicht das Lager selbst, sondern die Wirkung dahinter. Entscheidend war für beide die Erkenntnis, dass kaum ein anderer Bereich so nah am tatsächlichen Geschäftserfolg eines Unternehmens arbeitet.
Der Moment, in dem Händler die Kontrolle verlieren
Viele E-Commerce-Unternehmen investieren enorme Ressourcen in Produktentwicklung, Marketing und Kundenakquise. Doch der entscheidende Moment kommt erst nach dem Kauf.
„Die Logistik ist am Ende der ausschlaggebendste Baustein, weil der Händler ab diesem Punkt keinen Einfluss mehr hat“, sagt Mandy.
Ab diesem Augenblick entscheidet die operative Umsetzung darüber, ob ein Versprechen eingehalten wird oder nicht. Wird pünktlich geliefert? Ist die Ware unbeschädigt? Funktioniert die Kommunikation? Entsteht beim Auspacken ein positives Erlebnis? Für Kund*innen verschwimmen diese Bereiche längst zu einer Einheit. Sie unterscheiden nicht zwischen Shop, Marke und Logistikpartner. Sie bewerten das Gesamterlebnis. Damit wird Logistik immer stärker zum Dreh- und Angelpunkt einer Customer Experience, die weit über den Versand hinausgeht.
Warum klassisches Fulfillment an Grenzen stößt
Gleichzeitig verändert sich die Erwartungshaltung der Händler*innen. Wer skaliert, braucht oft deutlich mehr als Lagerfläche und Versandkapazitäten. „Palette rein, Palette raus kann am Ende des Tages jeder“, sagt Mandy. Wirklich spannend werde es dort, wo individuelle Lösungen gefragt sind. Personalisierte Verpackungen. Komplexe Produktsets. Multichannel-Vertrieb. Amazon-Strategien. ERP-Systeme. Internationale Expansion.
An dieser Stelle beobachten Mandy und Hannes eine Entwicklung, die viele Logistikunternehmen zum Umdenken zwingt. Die Kundschaft sucht zunehmend Orientierung. Welche Systeme passen zum Geschäftsmodell? Welche Prozesse bremsen das Wachstum? Welche Vertriebskanäle sollten erschlossen werden? Welche Daten liefern Hinweise auf künftige Entwicklungen?
Die Logistik sitzt dabei an einer besonderen Schnittstelle. Hier laufen Produktbewegungen, Bestellungen, Retouren und Kundenverhalten zusammen. Informationen also, die weit über den eigentlichen Versand hinausgehen. „Man muss als Logistiker heute ein bisschen mehr draufhaben, als nur Produkte zu packen und zu verschicken“, sagt Mandy.

Der Anspruch: Sparringspartner statt Dienstleister
Hier entsteht eine neue Rolle für die Logistik. Mandy spricht bewusst nicht von klassischem Consulting. Der Begriff sei zu eng und wecke falsche Erwartungen. Stattdessen geht es um Vernetzung, Erfahrungsaustausch und Partnerschaft. „Wir wollen nicht einfach nur einen klassischen Kunden. Wir wollen Partnerschaften auf Augenhöhe“, erklärt Hannes.
Für Händler*innen bedeutet das beispielsweise Zugang zu Technologiepartnern, E-Commerce-Expert*innen oder relevanten Netzwerken. Besonders sichtbar wird dieser Ansatz in einem Projekt, an dem Twenty 5 Logistik GmbH derzeit arbeitet: einer Plattform, die relevante Veranstaltungen, Expertisen und Kontakte aus unterschiedlichen Branchen bündeln soll. Statt Händler*innen ausschließlich innerhalb ihrer eigenen Bubble zu vernetzen, soll bewusst der Blick nach links und rechts geöffnet werden. Auf Branchen, Trends und Netzwerke, die bislang oft unberücksichtigt bleiben.
Die Logistik wird zugleich zum Ausgangspunkt einer größeren Vernetzung. Denn wer als Händler*in erfolgreich ist, wird langfristig auch ein erfolgreicher Logistikkunde*in.
Die unbequeme Frage
Kann jedes Logistikunternehmen plötzlich Berater sein?
So überzeugend diese Vision klingt, sie verdient auch einen kritischen Blick. Denn aktuell scheint fast jeder Dienstleister zum strategischen Partner werden zu wollen. Agenturen beraten ganzheitlich. Softwareunternehmen verkaufen Transformation. Logistiker*innen sprechen von Ökosystemen.
Doch zwischen Anspruch und Realität klafft oft eine Lücke. Auch Hannes sieht diese Entwicklung kritisch: „Ganz selten hast du einen richtig guten Logistikberater.“
Seiner Erfahrung nach fehlt vielen Beratungsansätzen die operative Praxis. Wer Unternehmen wirklich unterstützen wolle, müsse Prozesse verstehen, die Herausforderungen im Lager kennen und wissen, welche Konsequenzen strategische Entscheidungen im Alltag tatsächlich haben.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Ganzheitliche Partnerschaft klingt attraktiv, kostet aber Ressourcen. Je breiter die Unterstützung wird, desto größer werden die Anforderungen an Expertise, Personal und Zeit. Nicht jedes Logistikunternehmen kann diese Rolle glaubwürdig ausfüllen.
Auch intern bei Twenty 5 Logistik GmbH bedeutet dieser Wandel Veränderung. Neue Projekte bringen mehr Individualisierung, höhere Komplexität und andere Anforderungen an die Teams. Nicht jede Neuerung wird sofort positiv aufgenommen. „Natürlich gibt es Mitarbeiter, die nicht unbedingt begeistert davon sind“, sagt Hannes offen. Veränderung müsse erklärt, begleitet und immer wieder neu vermittelt werden. Gerade deshalb zeigt sich der wahre Erfolg solcher Strategien nicht in Marketingpräsentationen, sondern im Tagesgeschäft.
Die Zukunft der Logistik entscheidet sich an ihrer Relevanz
Vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis aus diesem Wandel. Die Zukunft der Logistik liegt nicht darin, möglichst viele zusätzliche Dienstleistungen auf eine Website zu schreiben. Sie liegt darin, für die Kundschaft relevant zu werden.
Wer heute nur Pakete verschickt, wird mehr und mehr austauschbar. Wer dagegen versteht, welche Herausforderungen Händler*innen bewegen und wie man ihnen dabei helfen kann, entwickelt sich vom Dienstleister zum echten Partner. Ob dieser Anspruch immer gelingt, wird jede und jeder selbst beweisen müssen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, zwischen echter Beratung und Marketingversprechen zu unterscheiden. Viele Unternehmen erweitern derzeit ihr Leistungsportfolio kommunikativ – ob diese Leistungen im Alltag tatsächlich gelebt werden, zeigt sich jedoch erst in der Zusammenarbeit.
Die Richtung scheint jedoch klar: Die Logistik der Zukunft wird nicht daran gemessen werden, wie viele Pakete sie bewegt. Sondern daran, wie sehr sie zum Erfolg ihrer Kund*innen beiträgt.