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Vom Rekrutierungsboom zur Marktberuhigung

Lisa-Marie Karusseit

Der Arbeitsmarkt für Lagermitarbeiter*innen im ersten Halbjahr 2026 im datenbasierten Vergleich zum Vorjahr.

In a nutshell: Nach dem spürbaren Einstellungsboom im Frühjahr und Sommer 2025 zeigt sich der Arbeitsmarkt für Lagermitarbeiter*innen im ersten Halbjahr 2026 von einer völlig neuen Seite. Während im Mai 2025 mit über 17.000 offenen Stellenanzeigen ein Höchststand erreicht wurde, hat sich das Stellenangebot im Frühjahr 2026 mehr als halbiert. Für Arbeitgeber*innen bedeutet dies eine deutliche Entspannung: Mit aktuell 38 Jobsuchenden pro Stelle (im Vergleich zu nur 16 im Mai 2025) und einer auf über 50.000 Lebensläufe angewachsenen Datenbank stehen Recruitern*innen heute signifikant mehr Talente zur Verfügung.

Was der Arbeitsmarkt 2026 Logistikunternehmen verrät

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Lagermitarbeiter*innen und was bedeutet das konkret für Unternehmen in der Logistik? Um diese Frage zu beantworten, haben wir die Indeed Hiring Analytics für das erste Halbjahr 2026 ausgewertet und mit den Daten aus dem Vorjahreszeitraum verglichen. Die Analyse zeigt, wie sich Stellenangebot, Wettbewerb um Fachkräfte, Bewerberverhalten und Talentpool innerhalb eines Jahres verändert haben und welche Rückschlüsse Logistiker*innen daraus für ihre Recruiting-Strategie ziehen können.

Wer die Entwicklung des Arbeitsmarkts für Lagermitarbeiter*innen nachvollziehen möchte, findet die Analyse für 2025 hier

Die folgenden Erkenntnisse basieren auf einer Analyse der Indeed Hiring Analytics Daten für das erste Halbjahr 2026 im Vergleich mit dem Vorjahresdaten aus 2025.

Eintrübung statt Frühjahrsboom: Der Strukturbruch ab März 2026

Der Rückblick auf das Jahr 2025 war geprägt von einem dynamischen Aufschwung im Frühsommer: Nach einem verhaltenen Jahresstart mit knapp 11.600 offenen Jobanzeigen schoss die Zahl im Mai 2025 auf einen Peak von 17.062 ausgeschriebenen Stellen hoch und verblieb den gesamten Sommer über auf hohem Niveau (>15.000 Jobs). Schon im Herbst und Winter 2025 deutete sich jedoch eine stufenweise Abkühlung an.

Anfang 2026 schien sich der Markt zunächst auf dem gewohnten Niveau des Vorjahresendes zu stabilisieren (Januar: 12.931 offene Jobs; Februar: 13.160 offene Jobs). Im März 2026 folgte jedoch ein deutlicher Strukturbruch: Die Zahl der aktiven Stellenanzeigen fiel sprunghaft auf 8.779 und sank im Mai 2026 auf den Tiefststand von 7.920 Jobs. Der typische Frühjahrs- und Vor-Sommer-Boom blieb 2026 somit komplett aus – das Stellenangebot lag im Mai und Juni 2026 um über 50 % unter den Vorjahreswerten.

Gleichzeitig verfestigte sich der Rückgang der suchenden Arbeitgeber*innen: Während im Frühjahr 2025 noch bis zu 3.107 Unternehmen gleichzeitig aktiv rekrutierten, lag die Gesamtzahl der Arbeitgeber mit aktiven Stellenanzeigen im ersten Halbjahr 2026 durchgehend niedriger bei etwa 2.550 bis 2.730 Betrieben.

Wandel zum Bewerber*innenüberschuss

Die veränderten Stellenzahlen wirken sich unmittelbar auf die Wettbewerbssituation und das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage aus.

In den Kennzahlen von Indeed lässt sich der Wandel vom umkämpften Bewerber*innenmarkt hin zum Arbeitgebermarkt präzise ablesen:

  • Mai / Juni 2025: 16 bis 17 Jobsuchende pro Stelle – Der Wettbewerb um Personal war vorhanden („Mäßiger Wettbewerb“, Index 52/100).
  • Herbst / Winter 2025: 18 bis 24 Jobsuchende pro Stelle – Der Markt entspannte sich schrittweise.
  • Mai / Juni 2026: 37 bis 38 Jobsuchende pro Stelle – Das Verhältnis hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Indeed stuft die Lage nun als „Wenig Wettbewerb“ (Index 28–31/100) ein.

Da die Zahl der aktiven Jobsuchenden mit rund 300.000 bis 327.000 Personen pro Monat weiterhin konstant hoch bleibt, verteilt sich dieses Kandidaten*inneninteresse auf deutlich weniger Stellenanzeigen. Für Recruiter*innen bedeutet das pro geschaltete Anzeige eine potenziell höhere Zahl an Klicks und Bewerbungen.

Kontinuierliches Wachstum des Talentpools

Ein besonders erfreulicher Trend für Unternehmen setzt sich auch 2026 fort: Der durchsuchbare Talentpool wächst.

  • Im Februar 2025 standen Recruitern in der Indeed-Datenbank 38.325 Lebensläufe von Lagermitarbeiter*innen zur Verfügung.
  • Bis Dezember 2025 stieg die Zahl bereits auf 43.602 Profile.
  • Im Juni 2026 knackte die Datenbank erstmals die Marke von 50.359 verfügbaren Lebensläufen.

Das entspricht einem Zuwachs von über 31 % innerhalb von 16 Monaten. Zudem wurden im ersten Halbjahr 2026 jeden Monat zwischen 3.000 und 3.800 Lebensläufe neu hinzugefügt oder aktualisiert – deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum (~2.100 bis 2.400). 

Unveränderte Kandidaten*innengewohnheiten

Während sich das Marktvolumen drastisch verändert hat, bleiben die Verhaltensmuster und Präferenzen der Jobsuchenden bemerkenswert stabil:

  • Mobile Dominanz: Unverändert 67 % bis 71 % aller Klicks auf Stellenanzeigen erfolgen über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets.
  • Beliebte Suchfilter: Neben der Berufsbezeichnung „Lagermitarbeiter“ suchen Bewerber*innen primär nach Vertragsformen wie „Vollzeit“, „Teilzeit“ und „Minijob“.
  • Potenzial Quereinstieg: Der Begriff „Quereinsteiger“ rangiert in jedem einzelnen Monat stabil unter den Top-6-Suchbegriffen. Das Interesse branchenfremder Arbeitskräfte an Lager- und Logistikjobs bleibt hoch. Mehr dazu in diesem Artikel.

Was bedeutet das konkret für Arbeitgeber*innen und Recruiter*innen?

Die neue Marktrealität erfordert eine Anpassung der Recruiting-Strategie:

  1. Active Sourcing nutzen: Wer schnell und viele Mitarbeitende einstellen muss, kann den gewachsenen Talentpool von über 50.000 Lebensläufen aktiv für die Direktansprache nutzen. 
  2. Selektionsqualität erhöhen: Durch das hohe Aufkommen von 37+ Kandidaten*innen pro Stelle gilt es, schnelle und strukturierte Vorauswahlprozesse zu etablieren, um die Qualität und Effizienz hochzuhalten.
  3. Quereinsteiger*innen-Potenziale heben: Die hohe Suchnachfrage nach „Quereinsteiger“-Stellen zeigt: Zielgruppengerechte Onboarding- und Einarbeitungskonzepte eröffnen Arbeitgeber*innen wertvolle Zugänge zu motivierten Arbeitskräften außerhalb des klassischen Logistiksektors. Mehr dazu in diesem Artikel
  4. Mobile Candidate Experience sichern: Da weiterhin 70 % der Zugriffe mobil erfolgen, bleiben hürdenfreie, schlanke Bewerbungsprozesse ohne langwierige Formulare die Grundvoraussetzung für hohe Conversion-Raten.

Rekrutierungsdruck sinkt, Qualitätsanspruch steigt

Der Arbeitsmarkt für Lagermitarbeiter*innen hat sich von der extremen Anspannung des Sommers 2025 verabschiedet. Das Ausbleiben des Frühjahrsbooms 2026 führt zu einer komfortablen Ausgangslage für rekrutierende Unternehmen: Die Auswahl an Kandidat*innen ist groß, die Konkurrenz durch andere Arbeitgeber geringer und die Talent-Datenbanken sind gefüllt.

Wer jetzt auf effiziente Auswahlverfahren, aktive Direktansprache und zielgruppenorientierte Einmündungskonzepte setzt, kann seine Vakanzen 2026 so wirtschaftlich und passgenau besetzen wie lange nicht mehr.

Autor*in

Lisa-Marie Karusseit

Lisa ist seit mehreren Jahren als Personal- und Kommunikationsexpertin in den Bereichen E-Commerce und Logistik tätig. Bei even logistics teilt sie ihre umfangreichen Erfahrungen, führt Gespräche mit Expert*innen und zeigt auf, wie starke People & Culture-Strategien den nachhaltigen Erfolg von Logistikunternehmen fördern. Jenseits des beruflichen Alltags tobt sich Lisa mit abstrakter Kunst kreativ und auf dem Surfbrett sportlich aus.


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