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PPWR ab August 2026: Die größten Stolperfallen für Industriebetriebe

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Verpackungsberater Max Haschke erklärt, was Logistik- und Industriebetriebe bis August 2026 konkret tun müssen und worauf es jetzt ankommt.

In a nutshell: Ab dem 12. August 2026 wird die EU-Verpackungsverordnung PPWR gelten – auch für Unternehmen, die keine klassischen Verpackungshersteller sind. Verpackungsberater Max Haschke berät Industriebetriebe regelmäßig bei der Umsetzung und sieht dasselbe Muster immer wieder: Wer früh angefangen hat, kommt entspannt durch. Wer jetzt erst aufwacht, kämpft mit der Regulatorik, mit Lieferanten, die nicht liefern, und mit internen Strukturen, die für solche Themen nie gebaut wurden.

Zum Gesprächspartner: Max Haschke ist Verpackungsberater für Industriebetriebe mit Fokus auf PPWR-Readiness und Kostenoptimierung. Er hilft Unternehmen dabei, ihre Rolle in der Lieferkette zu klären, Lieferanten abzuholen und Konformitätserklärungen auf die Reihe zu kriegen. 

Die PPWR gilt ab August 2026 – also in wenigen Wochen. Kannst du kurz beschreiben, was der Kern dieser Verordnung ist und warum sie für Industriebetriebe relevant ist?

Ich finde die Ziele, die dahinterstecken, sehr nobel: Verpackung, die oft noch als Müll wahrgenommen wird, zu reduzieren. Und wenn eine Verpackung eingesetzt wird, dann einen Blick drauf zu haben, welche Materialien in den Umlauf gehen. Da gibt es unterschiedliche Hebel – man kann über die Materialien selbst gehen, mit immer strengeren Recyclingfähigkeits-Anforderungen, je weiter wir auf der PPWR-Linie voranschreiten. Und das andere ist, dass du die Leute mit erzieherischen Maßnahmen, wie es zum 12.8. notwendig ist, dazu bringst, aufgrund einer Gesetzeslage etwas zu tun, und nicht nur zu hoffen, dass was passiert.

Ich glaube, das ist das, was vielen gerade sauer aufstößt. Viele fühlen sich bevormundet und sagen, die EU kommt schon wieder mit einer neuen Regulatorik. Ich persönlich finde es aber sehr nobel, dass das jetzt gemacht wird, weil festgestellt wurde: Es ist zu wenig passiert – aus der Branche heraus, aus den Industriebetrieben heraus. Die  ist quasi der erste Arschtritt, um Bewegung reinzubringen.

Die PPWR hat verschiedene Dimensionen – Materialverbote, Transparenzpflichten, Recyclinganforderungen. Gibt es davon eine, die für Industriebetriebe besonders herausfordernd ist?

Es hängt sich sehr stark an die Zeitlinie der PPWR. Viele Unternehmen haben im Moment keinen Plan, was zum 12.8. überhaupt notwendig ist, und machen jetzt einen Rundumschlag. Oft werden schon Themen abgefragt, die erst 2030 und in den Folgejahren relevant werden.

Wenn ein Unternehmen präzise weiß, was bis zum 12.8. zu tun ist, dann ist das eigentlich ein relativ kompaktes Arbeitspaket. Da geht es zunächst mehr um den Blick nach innen: Welche Rolle habe ich? Wie sieht mein aktuelles Verpackungsportfolio aus? Sind alle Daten vorhanden? Was muss ich an Konformitätserklärungen erstellen? Was muss ich an Druckbildern anpassen? Das sind die Themen gerade.

Nach außen, auf die Verpackungen selbst, geht es erst Richtung 2028 und 2030. Dann geht es um Leistungsklassen, Recyclingfähigkeit, Rezyklatquoten. Die ersten stofflichen Pflichten zum 12.8. sind der Schwermetall-Grenzwert, der für alle Verpackungen gilt, und das PFAS-Verbot für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt. Der Rest kommt erst nachgelagert.

Nicht alle Regelungen greifen sofort. Was darf trotzdem nicht zu spät angegangen werden?

Zum Beispiel die Rezyklatquote bei Kunststoff: Die erste Stufe greift ab 2030, ab 2040 wird sie sehr, sehr hoch, je nach Verpackungskategorie bis zu 65 Prozent. Ich bezweifle, dass im Moment sowohl das Material verfügbar als auch die Technologie bereit ist, diese Quoten überhaupt zu ermöglichen. Das heißt, in den nächsten zehn Jahren wird auf der Herstellerseite viel passieren, einfach um diese Quoten technisch in den Produkten zu realisieren. Und auf der anderen Seite sind die Abnehmer und Verwender natürlich daran interessiert, sich das Material frühzeitig zu sichern. Da werden dann ganz andere Baustellen aufgemacht.

Wer jetzt schon anfängt, sich damit auseinanderzusetzen, hat einen deutlich größeren Handlungsspielraum, sowohl bei den Lieferantenoptionen als auch beim Timing.

Wie gut ist der Mittelstand tatsächlich auf den August vorbereitet und siehst du einen Unterschied zu größeren Konzernen?

Ein Mittelständler hat vielleicht fünf bis sechs Lieferanten für Packmittel. Wenn ich einen Großkonzern anschaue, habe ich mal 200 bis 300 – über mehrere Standorte, mehrere Ländergesellschaften verteilt. Also da ist weniger die Frage, wer ist zuständig, sondern mehr: wer kommt mit dem Workload zurecht.

Für einen kleinen mittelständischen Betrieb mit ein paar Lieferanten ist das relativ schmerzfrei abzufrühstücken, man muss nur wissen, was man bis wann macht. Das ist eher mit einem Template, eher mit einer Schulung mal erledigt. Ich sehe es nicht so, dass es für kleine Unternehmen komplett weltfremd und nicht stemmbar ist. Bei denen ploppt es natürlich eher mal auf Geschäftsführungsebene auf, die sich dann parallel mit anderen Themen beschäftigen muss. Im Großkonzern ist es feingliedriger, du kannst spezielle Aufgabengebiete besser verteilen. Wenn die Strukturen flach sind, bleibt halt viel bei einer Position hängen und dann fällt es negativ auf, weil es noch eine Schippe drauf ist.

Wo liegt der typische blinde Fleck – was fällt Unternehmen erst auf, wenn es eigentlich zu spät ist?

Selbst wenn du als Firma ein Team bereitstellst und sagst, wir wollen PPWR-ready werden, scheitert es oft am Markt. Du bekommst mit Verzögerung die Informationen zurück, die du benötigst, du bekommst teilweise Absagen oder pauschalisierende Aussagen, die dich in deiner eigenen Konformität nicht weiterbringen.

Ich hatte letzte Woche einen Wellpappenlieferanten, der sagte: Wir würden euch die 300 Positionen nächste Woche liefern, kein Problem, aber wir kommen im Moment zeitlich einfach nicht hinterher. Wir bekommen am Tag 200 bis 300 E-Mails mit Anfragen, wo drinsteht: füllt mal die Excel-Liste aus. Das schaffen wir nicht bis dahin. Das heißt, das Ganze wird sich ziehen bis meiner Meinung nach Ende des Jahres.

Das Problem ist: Viele Lieferanten sind sich ihrer Verpflichtung nicht bewusst und sagen, wir haben jahrelang unsere Rezeptur nicht preisgegeben – warum sollen wir jetzt anfangen, dir zu sagen, wie unsere Materialien aufgebaut sind? Oder es kommen pauschale Statements wie: „Alle unsere Produkte kriegen keine Schwermetalle zugesetzt." Das mag so sein, aber als Beleg hilft mir das nicht weiter.

„Der Druck, wo viele gedacht haben, jetzt kommt die Kontrollbehörde im September und Oktober und zerlegt uns – den wird es nicht geben. Ich bin mir ziemlich sicher. Es ist keine offizielle Befreiung, irgendwas zu tun. Aber der Druck kommt gerade vom Markt. Deine Kunden werden sich bei dir melden – und wollen ihre Informationen auch vor dem 12.8. zusammen haben, aber ich persönlich denke, dass die Kontrollbehörde die Füße stillhalten wird, bis sich alle ein bisschen beruhigt haben und es sich eingeschliffen hat." — Max Haschke

In deinem LinkedIn-Post hast du beschrieben: Ein Unternehmen hat alles richtig gemacht und trägt trotzdem die Verantwortung, weil der Lieferant nicht liefert. Was ist der realistische Plan B?

Wir haben für unsere Kunden Eskalationsleitfäden entwickelt. Das Wichtigste ist: Du musst Lieferanten kommunikativ sauber abholen. Es ist ein Geschäft zwischen Menschen. Viele Eins-zu-eins-Gespräche. Wir bieten zum Beispiel Webinare an – gezielt für die Lieferanten eines Mandanten, die von PPWR noch gar nichts gehört haben. Wenn sich daraus Fragen ergeben, lösen wir die im Nachhinein direkt auf. Dann sind die Lieferanten gebrieft, was an Abfragen kommen wird und können damit sauber umgehen.

Dieses Rausschicken und Hoffen, dass was zurückkommt, funktioniert mittlerweile nicht mehr, weil es alle machen.

Und dann eskalieren Themen auch schnell intern: Du hast auf einmal eine Geschäftsführung oder einen Vertrieb, der will, dass seine eigenen Produkte PPWR-konform verpackt werden, weil sie Zugang zu den Märkten behalten wollen und in einer Ausschreibung nicht rausfliegen wollen, nur weil sie irgendwo ein Häkchen nicht setzen können. Also auch die internen Stakeholder bauen Druck auf.

Inwiefern sind Logistik- und Fulfillment-Dienstleister selbst betroffen oder liegt die Verantwortung komplett beim Versender?

Ein klassischer Logistikdienstleister hat Verpackungen immer nur als: wir brauchen es, wir müssen es bezahlen, es darf nichts kosten und es darf nicht negativ auffallen. Wenn das gelaufen ist, hatte man bisher keine Probleme. Und jetzt kommt die EU und sagt: Moment mal, ihr müsst um die Verpackung herum noch ein bisschen mehr aufbauen. Dazu gehört eine saubere Datenbasis, das Bewusstsein für die eigene Rolle: Welche Rechte und Pflichten habe ich? Was muss ich an Informationen aktiv beisteuern? Der Empfänger hat vielleicht auch ein aktives Recht darauf, diese Informationen zu bekommen. Wenn ich das alles hinterfrage und sage „Betrifft mich nicht" – dann bin ich die Bremse in dem Ganzen.

Gerade E-Commerce- und Fulfillment-Dienstleister merken das gerade. Wenn du als Versender mit Standardkartons auskommst, mach das bitte – dann hast du die Erzeugerpflichten wie Konformitätserklärung und technische Dokumentation nicht. Die Registrierungs- und Lizenzierungspflichten für die Verpackungen, die du befüllst und versendest, bleiben aber bestehen. Aber sobald du individuelle Verpackungen mit eigenem Logo beauftragst, bist du auf einmal in der Erzeugerrolle. Und die ist die Rolle mit den meisten Verpflichtungen – mit eigenem Aufdruck, eigener Konformitätserklärung, allem drum und dran. Da zieht sich ein großer Rattenschwanz nach, weil irgendwo im Marketing jemand gesagt hat: Es wäre doch schön, wenn wir unser Logo draufhätten.

Kann man etwas Allgemeines zu den Kosten sagen?

Das hängt vom Umfang ab, von der Unternehmensgröße, der Anzahl der Lieferanten, der Struktur des Verpackungsportfolios. Wichtig ist aber: Viele Verpackungsprogramme wurden jahrelang nicht angefasst. Das ist einfach so gewachsen und da liegt schon Potenzial. Die PPWR ist jetzt eigentlich nur der Trigger.

In allen PPWR-Projekten, die wir haben, finden wir immer auch Ansätze, die positiv auf die PPWR-Ziele einzahlen und gleichzeitig einen sehr guten ROI haben. Zum Beispiel: Aus 20 Verpackungsvarianten machst du fünf Standardverpackungen. Dann reduzierst du Varianten, hast mehr Volumen auf den übrigen Kartonagen, kannst bessere Einkaufskonditionen erzielen, musst weniger oft nachbestellen. Das hat man am Anfang gar nicht auf dem Schirm, aber das rechnet dann so einen PPWR-Aufwand wieder gut.

Ich sage nicht, dass es überall kostenneutral ist. Aber du kannst mit solchen Verpackungsprojekten zumindest diese Initiierung gut abfangen. Insgesamt wird das Niveau von Verpackung im Unternehmen steigen – statt mit 2 bis 3 Prozent wirst du eher mit 4 bis 5 Prozent in deine Kalkulation einplanen müssen. Aber das müssen alle. Wer sich früh und entspannt damit auseinandersetzt, kann definitiv Wettbewerbsvorteile rausholen.

Was ist dein Rat an einen Logistik- oder Betriebsleiter, der jetzt denkt: Da muss ich handeln – wo fängt der an?

Sich seiner eigenen Rolle bewusst werden – das ist das Erste. Wer bin ich in dieser Lieferkette, und welche Pflichten habe ich daraus? Das klingt einfach, aber da liegt schon viel. Hersteller, Erzeuger, Importeur, Inverkehrbringer – diese Begriffe werden im deutschen Sprachgebrauch ständig durcheinander verwendet, auch weil die Übersetzung aus dem englischen Originaltext schlicht nicht präzise ist. Mit dem englischen Originaltext zu arbeiten hilft enorm.

Und dann: Nicht alles auf einmal angehen. Wer weiß, was bis zum 12.8. wirklich notwendig ist, hat ein überschaubares Arbeitspaket vor sich. Die Unternehmen, die das entspannt angegangen sind, haben durchweg positive Erfahrungen gemacht, weil sie Herr ihrer eigenen Projektzeitlinie waren.

Takeaways

Rolle zuerst klären. Wer in der Lieferkette welche Verpackung verantwortet, bestimmt, welche Pflichten gelten. Wer ein Logo auf einen Karton druckt, wird zum Erzeuger – mit allem, was dazu gehört.

Den 12.8. nicht überschätzen – und nicht unterschätzen. Die Kontrollbehörden werden nicht sofort einschreiten. Der Druck kommt von Kunden, die ihre Konformitätsnachweise brauchen – und die bereits jetzt anfragen.

Keinen Rundumschlag machen. Viele bearbeiten gerade Anforderungen, die erst 2030 greifen. Was zum 12.8. zählt: Rollenklärung, Datenbasis, Konformitätserklärungen, PFAS und Schwermetalle im Lebensmittelkontakt.

Lieferanten früh einbinden. Wer Excel-Listen rausschickt und auf Rückmeldung wartet, wartet gerade vergeblich. Lieferanten, die noch nie von PPWR gehört haben, brauchen erst ein Gespräch – keine Abfrage.

PPWR kann sich rechnen. Wer Verpackungsprogramme im Zuge der Umsetzung konsolidiert, findet fast immer Einsparpotenziale. Für viele ist die Verordnung der überfällige Anlass, ein seit Jahren gewachsenes Verpackungsprogramm zu bereinigen.

FAQ

Ab wann gilt die PPWR?

Die meisten Regelungen gelten ab dem 12. August 2026. Anforderungen zur Recyclingfähigkeit und zu Rezyklatquoten folgen gestaffelt bis 2030 und 2040.

Bin ich als Logistikdienstleister betroffen, wenn ich nur verpacke und versende?

Ja – sobald du Verpackungen verwendest, bist du Teil der Lieferkette. Wer individuelle Verpackungen mit eigenem Branding beauftragt, tritt sogar in die Erzeugerrolle ein und hat die weitreichendsten Pflichten.

Was muss ich bis zum 12. August konkret tun?

Zunächst: Die eigene Rolle klären. Dann prüfen, ob Daten zum Verpackungsportfolio vorliegen, und Konformitätserklärungen erstellen. Die ersten stofflichen Pflichten betreffen PFAS und Schwermetalle im direkten Lebensmittelkontakt.

Ist die PPWR für Mittelständler umsetzbar?

Ja. Mittelständler haben in der Regel deutlich weniger Lieferanten als Großkonzerne. Das Arbeitspaket ist kleiner – man muss nur wissen, was zu tun ist und bis wann.

Was passiert, wenn mein Verpackungslieferant nicht rechtzeitig liefert?

Die Pflicht bleibt beim Erzeuger, also bei dem Unternehmen, das die Verpackung unter eigenem Namen in Verkehr bringt (bzw. beim Importeur). Eskalationsgespräche, direkte Einbindung der Lieferanten und im Zweifelsfall der Hinweis auf die nächste Ausschreibung sind die Hebel. Verantwortung auslagern funktioniert nicht – sie kann auf das eigene Unternehmen zurückfallen.

Fazit

Die PPWR verändert, wie Verpackung entlang der Supply Chain gedacht, gesteuert und dokumentiert wird. Wer früh angefangen hat, wird gut durchkommen, aber generell gilt: Kein Panikmodus, lieber sauber statt hektisch arbeiten. Der erste Schritt bleibt immer derselbe: die eigene Rolle kennen.

 

Ihr habt Fragen zur PPWR-Umsetzung in eurer Logistik? Schreibt uns: info@even-logistics.com

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