• People&Culture
  • Aktuelles

Arbeitsmarkt 2025/2026 im Vergleich

Lisa-Marie Karusseit

Lagermitarbeiter*innen im Fokus - eine datenbasierte Analyse.

In a nutshell: Der Arbeitsmarkt für Lagermitarbeiter*innen hat sich innerhalb eines Jahres spürbar verändert. Zwischen Februar 2025 und Februar 2026 zeigt sich ein differenziertes Bild: ausgeprägte saisonale Schwankungen, ein temporärer Einstellungsboom und eine Verschiebung der Marktbedingungen zugunsten der Arbeitgeber*innen. 

Die folgenden Erkenntnisse basieren auf einer umfassenden Analyse der Indeed Hiring Analytics Daten für den Zeitraum Februar 2025 bis Februar 2026. 

Einstellungsboom und anschließende Abkühlung 

Zu Beginn des Jahres 2025 befand sich der Arbeitsmarkt auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau mit rund 11.600 ausgeschriebenen Stellen für Lagermitarbeiter*innen. Im Frühjahr setzte jedoch ein deutlicher Anstieg ein, der im Mai 2025 mit über 17.000 Stellen seinen Höhepunkt erreichte. Auch die Sommermonate blieben auf einem konstant hohen Niveau, unter anderem zur Vorbereitung auf die Black-Friday- und Weihnachtssaison. 

Dieser Boom erwies sich jedoch als nicht nachhaltig: Gegen Ende des Jahres 2025 kühlte der Markt spürbar ab und stabilisierte sich Anfang 2026 bei etwa 13.000 offenen Stellen. 

Bemerkenswert ist dabei, dass trotz des zwischenzeitlichen Stellenanstiegs die Zahl der aktiven Arbeitgeber kontinuierlich zurückging. Dies deutet auf eine zunehmende Marktkonzentration hin: weniger Unternehmen, aber mit höherem Personalbedarf. 

Wettbewerb um Talente 

Auch auf der Kandidaten*innenseite zeigt sich eine dynamische Entwicklung. Im Oktober 2025 erreichte die Zahl der Jobsuchenden mit über 339.000 ihren Höhepunkt, bevor sie im Dezember – saisonal bedingt – deutlich zurückging. 

Ein zentraler Indikator ist das Verhältnis von Jobsuchenden pro Stelle: 

  • Anfang 2025: 28 Kandidat*innen pro Stelle
  • Mai 2025: 16 Kandidat*innen pro Stelle
  • Februar 2026: 23 Kandidat*innen pro Stelle 

Das bedeutet: Während des Frühsommers 2025 hatten Arbeitgeber*innen größere Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Aktuell hat sich die Situation deutlich entspannt und nähert sich wieder dem Niveau zu Jahresbeginn 2025 an. 

Positiv für Arbeitgeber*innen ist zudem der kontinuierliche Anstieg verfügbarer Lebensläufe. Innerhalb eines Jahres wuchs die Indeed-Datenbank um mehr als 7.700 Profile. Für Recruiter*innen bedeutet das: bessere Auswahlmöglichkeiten und effizientere Besetzungsprozesse. 

Verhalten der Jobsuchenden 

Ein klarer Trend bleibt bestehen: Mobile First. Rund 70 % aller Jobsuchen erfolgen über mobile Endgeräte. 

Auch die Suchbegriffe liefern wichtige Einblicke. Keywords wie „Vollzeit“, „Teilzeit“ und „Minijob“ dominieren weiterhin. Gleichzeitig bleibt „Quereinsteiger“ ein konstant stark nachgefragter Begriff.  

Das zeigt: Flexibilität und niedrige Einstiegshürden sind für Bewerber*innen entscheidend. 

Was bedeutet das konkret für Arbeitgeber*innen? 

  • Mobile Optimierung ist Pflicht: Stellenanzeigen müssen schnell laden, übersichtlich strukturiert sein und eine Bewerbung mit wenigen Klicks ermöglichen.
  • Kompakte Inhalte statt langer Texte: Kandidat*innen scannen Inhalte mobil – zentrale Informationen wie Gehalt, Arbeitszeiten und Standort sollten direkt sichtbar sein.
  • Keyword-Optimierung gezielt einsetzen: Begriffe wie „Vollzeit“, „Teilzeit“, „Minijob“ und „Quereinsteiger“ erhöhen die Auffindbarkeit.
  • Bewerbungsprozesse vereinfachen: Wenige Pflichtfelder, idealerweise One-Click-Bewerbungen oder einfacher Lebenslauf-Upload.
  • Zielgruppen erweitern: Die hohe Nachfrage nach „Quereinsteiger“-Jobs zeigt zusätzliches Potenzial jenseits klassischer Lebensläufe. 

Unternehmen, die diese Faktoren berücksichtigen, steigern nicht nur ihre Sichtbarkeit, sondern auch ihre Conversion-Rate deutlich. 

Verringern sich Arbeitsplätze durch KI und Automatisierung? 

Die einfache Antwort wäre: Ja. 
Die differenzierte Antwort lautet: Es ist komplexer. 

Automatisierung und KI spielen zweifellos eine wachsende Rolle. Prozesse werden effizienter, Fehlerquoten sinken und Skalierung wird erleichtert. Technologien wie automatisierte Sortiersysteme oder robotergestützte Kommissionierung sind im Lagerbereich bereits etabliert. 

Gleichzeitig zeigen die Daten: Die Nachfrage nach Lagermitarbeiter*innen ist nicht verschwunden. Sie bleibt volatil und stark saisonabhängig, mit einem leichten Rückgang im Jahresvergleich. Statt eines massiven Jobabbaus beobachten wir vor allem steigende Anforderungen an Flexibilität sowie intensiveren Wettbewerb in Spitzenzeiten – etwa rund um Black Friday und das Jahresendgeschäft. 

Der Arbeitsmarkt für Lagermitarbeiter*innen befindet sich im Wandel, aber nicht im freien Fall. 

Wer nur Schlagzeilen betrachtet, erkennt vor allem Unsicherheit. Wer die Daten analysiert, sieht ein System in Transformation und nicht ein rasantes Verschwinden von Arbeitsplätzen durch KI und Automatisierung. 

Autor*in

Lisa-Marie Karusseit

Lisa ist seit mehreren Jahren als Personal- und Kommunikationsexpertin in den Bereichen E-Commerce und Logistik tätig. Bei even logistics teilt sie ihre umfangreichen Erfahrungen, führt Gespräche mit Expert*innen und zeigt auf, wie starke People & Culture-Strategien den nachhaltigen Erfolg von Logistikunternehmen fördern. Jenseits des beruflichen Alltags tobt sich Lisa mit abstrakter Kunst kreativ und auf dem Surfbrett sportlich aus.


Atbxad
People&Culture Aktuelles

Entgelttransparenz in der Logistik: Was jetzt auf Fuhrpark und Lager zukommt

Über die neue EU-Richtlinie, ihre konkreten Auswirkungen auf Logistikbetriebe und warum Abwarten das teuerste Modell ist.

Bildschirmfoto 2026 05 21 um 11 39 15
▶️ On-demand Automatisierung

Shuttle-Lagersysteme richtig planen – Antworten aus dem even Webevent mit RocketSolution

Shuttle-Lager werden oft nach Bauchgefühl geplant, dabei sind es konkrete Kennzahlen, die über Erfolg oder Fehlkalkulation entscheiden.

Bildschirmfoto 2026 05 21 um 15 42 19
▶️ On-demand Automatisierung

Ugly Goods automatisiert lagern – Antworten aus dem even Webevent mit advasolutions

Was Ugly Goods sind, warum klassische Systeme hier an ihre Grenzen stoßen und wie ladungsträgerfreie Lagerung in der Praxis funktioniert.

PNG Bild
Lagerung Interview Fulfillment

„Ich baue das größte Logistikimperium Deutschlands“

Wie ein junger Gründer die Logistik neu denkt - mit Leon Michel, CEO von fly fulfillment GmbH.

Bildschirmfoto 2026 05 19 um 13 05 15
Automatisierung ▶️ On-demand

So planst du ein AutoStore-System – Antworten aus dem even Webevent mit AutoStore

Vom ersten Kennzahlen bis zum fertigen Grid-Design: Wie aus Anforderungen ein Lagersystem wird.

Porträts FINAL Timo 006 1
Nachhaltigkeit Automatisierung

Das unterschätzte Klimaproblem im Lager

Über Nachhaltigkeit in automatisierten Kleinteilelagern. Ein Interview mit Timo Landener zu Energie, Dichte und CO₂ in der Intralogistik.

Combined clean
Interview Wissen

Was Unternehmen bei Verträgen zur Systemintegration beachten müssen

Mit Dr. Maximilian Dorndorf und István Fancsik, LL.M. (London) von der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.

241209 even blog beitragsbild 6 1
People&Culture Leadership

Mitarbeiter*in des Monats in der Logistik

Warum Team-KPIs und Prozessdenken wichtiger sind.

Bildschirmfoto 2026 04 28 um 10 25 22
Insights Marketing

Wie bringt man Logistik auf Papier?

Über den Hintergrund eines 150-Seiten Fachreports und darüber, wie sich Logistik erzählen lässt.

241127 even blog beitragsbild 5
Intralogistik Software

WMS vs. WCS: Wer hat die Kontrolle im automatisierten Lager?

Über Unterschiede von WMS und WCS, ihre Rollen im automatisierten Lager und wann welche Systemarchitektur sinnvoll ist.

Bildschirmfoto 2026 04 22 um 10 40 58
People&Culture Aktuelles

Arbeitsmarkt 2025/2026 im Vergleich

Lagermitarbeiter*innen im Fokus - eine datenbasierte Analyse.

Bild für Blogbeitrag 2
Transport ▶️ On-demand

Wie AI-Agents die Lieferterminabstimmung übernehmen – Antworten aus dem Webevent mit ProLogistics

Wie digitale Mitarbeiter Teams entlasten, den Avisierungsprozess beschleunigen und Transportkosten senken.