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Standards, Anbieter und Markttrends im herstellerunabhängigen Flottenmanagement

Viktor Splittgerber

Welche Technologien agnostisches Flottenmanagement ermöglichen – und welche Plattformen schon heute interoperable Lösungen bieten.

In a nutshell: Herstellerunabhängiges Flottenmanagement basiert auf offenen Schnittstellen wie VDA 5050 oder MassRobotics Interop. Neben spezialisierten Softwareplattformen integrieren auch Roboterhersteller zunehmend Standard-Schnittstellen. Der Markt entwickelt sich dynamisch. 

Was ein solches System wie VDA 5050 oder MassRobotics Interop kann und für wen es sich lohnt, liest du hier.

Standardisierung als technologische Grundlage 

Damit herstellerunabhängige Flotten überhaupt orchestrierbar sind, braucht es gemeinsame Schnittstellen und Protokolle zwischen Robotern und Leitstand. Derzeit führen zwei Standards die Entwicklung an: 

VDA 5050 

Diese vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und dem VDMA entwickelte Spezifikation hat sich in Europa als De-facto-Standard etabliert. Sie definiert, wie Aufträge (Missions) und Statusinformationen zwischen einem Fleetmanager und mobilen Robotern ausgetauscht werden. Die Kommunikation erfolgt über MQTT als Transportprotokoll, mit JSON-basierten Nachrichtenstrukturen. Ziel ist es, jedes konforme Fahrzeug mit jedem konformen Leitstand verbinden zu können – herstellerübergreifend und flexibel. VDA 5050 wird laufend weiterentwickelt: Die aktuelle Version 2.1.0 integriert z. B. Funktionen für Kartenaustausch, Verkehrsregeln und mehr Autonomie auf Roboterebene. 

MassRobotics AMR Interop 

Der US-amerikanische Innovationshub MassRobotics verfolgt mit diesem Standard ein ähnliches Ziel wie VDA 5050, jedoch mit anderem technischen Ansatz. Die Initiative definiert APIs, über die zentrale Systeme grundlegende Roboterfunktionen ansprechen können – etwa Statusabfrage, Positionsdaten oder Basisbefehle. Die Kommunikation erfolgt meist REST-basiert. Bereits heute haben mehrere nordamerikanische Hersteller ihre Roboter kompatibel gemacht. 

Weitere technologische Grundlagen  

Ergänzend spielen auch Protokolle wie MQTT, REST-APIs oder WebSockets eine wichtige Rolle. MQTT ist besonders relevant, da es in VDA 5050 als verbindlicher Transportlayer vorgesehen ist. Es handelt sich um ein leichtgewichtiges Publish/Subscribe-Protokoll, das sich ideal für IoT- und Echtzeitanwendungen eignet. Viele Integrationsarchitekturen bauen darauf auf, da es hohe Skalierbarkeit und Entkopplung von Sender und Empfänger bietet. 

Anbieterspektrum: Wer bietet herstellerunabhängiges Flottenmanagement an? 

Spezialisierte Software-Plattformen: 

SYNAOS: Bietet mit SYNA.OS IMP eine Cloud-basierte Plattform zur Orchestrierung von Intralogistikflotten. Die Lösung unterstützt alle gängigen VDA 5050-Versionen, integriert Partnerroboter verschiedenster Hersteller und bietet Schnittstellen zu ERP/WMS-Systemen. 

NAiSE: Konzentriert sich auf ganzheitliches Verkehrsmanagement. Neben mobilen Robotern werden auch manuelle Stapler, Fußgänger und Infrastrukturobjekte wie Tore oder Sensoren integriert. Die Plattform unterstützt VDA 5050 und positioniert sich als zentrale Verkehrsleitzentrale für die smarte Fabrik. 

InOrbit: Eine cloudbasierte Robot Operations Platform für Monitoring, Datenanalyse und Flottenorchestrierung. Die Plattform ist stark auf Skalierbarkeit ausgerichtet und eignet sich für große Roboterflotten mit mehreren Standorten. Offen konzipiert, kompatibel mit verschiedenen Robotiksystemen und offenen Frameworks wie Open-RMF. 

Robotik-Hersteller mit VDA 5050-Integration oder offener Architektur: 

Idealworks: Neben eigenen AMRs bietet das Unternehmen mit "AnyFleet" eine offene, VDA 5050-kompatible Steuerungsplattform, die auch Fremdroboter orchestrieren kann. 

MiR / Teradyne: MiR unterstützt bereits eine eigene API und arbeitet an einem "VDA 5050 Starter Kit", das als Adapter fungiert und die MiR-eigene REST-API mit der MQTT-basierten VDA-Schnittstelle verbindet. 

Kollmorgen: Bekannt für Steuerungssysteme für FTS. Die Software AGS wird derzeit für VDA 5050 ertüchtigt, um bestehende OEM-Flotten interoperabel zu machen. 

Kinexon: Kombiniert Echtzeit-Lokalisierung mit Flottenmanagement. Der Kinexon Fleet Manager ist laut Hersteller VDA 5050-kompatibel und integriert sich in smarte Industrieumgebungen. 

Weitere relevante Akteure: Neben den genannten sind auch Anbieter wie Meili Robots, Syncware, Node Robotics oder Open-Source-Initiativen wie Open-RMF aktiv. Zudem unterstützen weitere Hersteller wie SEW-Eurodrive, Jungheinrich, STILL/KION oder Bosch Rexroth den VDA 5050-Standard in neuen Roboterangeboten. 

Marktentwicklung von herstellerunabhägigen Flottenmanagern 

Zwischen Pionierphase und Mainstream Aktuell werden nur rund 1 % aller mobilen Roboterflotten über herstellerunabhängige Flottenmanagementsysteme betrieben. Noch dominieren proprietäre Herstellerlösungen den Markt. Doch der Wandel ist in vollem Gange: 

Gartner prognostiziert, dass bis 2026 mehr als 50 % der Unternehmen mit Intralogistikrobotik auf neutrale Orchestrierungsplattformen setzen werden. Auch die Anzahl gemischter Flotten (mit Robotern unterschiedlicher Hersteller) wird stark steigen. Dadurch entsteht ein wachsender Bedarf für interoperable Softwarelösungen, die nicht nur steuern, sondern auch Monitoring, Datenaggregation, Skalierung und Sicherheitsfunktionen bieten. 

Fazit 

Herstellerunabhängiges Flottenmanagement ist kein Nischenthema mehr. Standards wie VDA 5050 und MassRobotics Interop schaffen die technologische Grundlage für offene, flexible Systemlandschaften. Unternehmen, die heute auf entsprechende Plattformen setzen, sichern sich langfristige Freiheit, Investitionsschutz und Innovationsspielraum. Wer früh pilotiert, kann Erfahrungen sammeln und sich Schritt für Schritt für die Zukunft aufstellen. 

Welche strategischen Überlegungen vor der Einführung eines herstellerunabhängigen FMCS wichtig sind – von Investitionsplanung bis Change Management – liest du hier

 

Auf der Suche nach einer passenden Lösung für deine Logistik? Hier geht's zur Vergleichsplattform, die dir die Suche erleichtert. 

 

Sources:

  1. Formant Blog – Why Modern Warehouses Need Vendor-Agnostic Robot Fleet Management (Why Warehouses Need Vendor-Agnostic Robot Fleet Management) (Why Warehouses Need Vendor-Agnostic Robot Fleet Management) (Why Warehouses Need Vendor-Agnostic Robot Fleet Management)
  2. IFR (International Federation of Robotics) – VDA 5050 explained (VDA 5050 explained - International Federation of Robotics) (VDA 5050 explained - International Federation of Robotics) (VDA 5050 explained - International Federation of Robotics)
  3. Formant Blog – Hidden Challenges of Multi-Vendor Robotics Management (The Hidden Challenges of Multi-Vendor Robotics Management (and Why They’re Holding You Back)) (The Hidden Challenges of Multi-Vendor Robotics Management (and Why They’re Holding You Back))
  4. Gartner – Future of Robotics: Heterogeneous Robot Fleet (The Future of Robotics: Orchestrating the Heterogeneous Robot Fleet) (The Future of Robotics: Orchestrating the Heterogeneous Robot Fleet) (The Future of Robotics: Orchestrating the Heterogeneous Robot Fleet)
  5. SYNAOS – Partnernetzwerk und VDA 5050-Kompatibilität (Preventive maintenance solution WAKU Care as an add-on for the SYNAOS Intralogistics Management Platform | SYNAOS); WAKU Care Integration (Preventive maintenance solution WAKU Care as an add-on for the SYNAOS Intralogistics Management Platform | SYNAOS)
  6. NAiSE – Zentrales Verkehrs- und Auftragsmanagement in der Intralogistik (NAiSE | Maximizing safety and efficiency of intralogistics | VDA5050, Fleetmanager, AGV, AMR) (NAiSE | Maximizing safety and efficiency of intralogistics | VDA5050, Fleetmanager, AGV, AMR)
  7. MiR – Interoperability and VDA5050 (Herstellerperspektive) (Interoperability and the VDA5050 Standard ) (Interoperability and the VDA5050 Standard )
  8. HiveMQ Whitepaper – VDA 5050 setzt MQTT als Standardprotokoll ein (Architecture Proposal for the VDA 5050)
  9. LinkedIn/News – Kollmorgen AMS mit VDA 5050 Unterstützung (Projekt “NiCE”)

Autor*in

Viktor Splittgerber

Mit über zehn Jahren Erfahrung als Gründer im IoT-Bereich sowie als Lead bei zahlreichen Automatisierungs- und Robotikprojekten bei Zalando kennt Viktor die vielfältigen Herausforderungen der Branche aus erster Hand. Als international anerkannter Experte im Bereich mobile Robotik vereint er praxisnahes Know-how mit fundierter Branchenexpertise, um Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Exzellente Instandhaltung ist ihm auch privat wichtig – seine persönliche Routine umfasst fünf Calisthenics-Einheiten pro Woche. Auf LinkedIn teilt Viktor regelmäßig spezifischen Fach-Content und Einblicke aus der Praxis.


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