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Mitarbeiter*in des Monats in der Logistik

Lisa-Marie Karusseit

Warum Team-KPIs und Prozessdenken wichtiger sind.

In a nutshell: „Mitarbeiter des Monats“ wirkt auf den ersten Blick wie ein Klassiker der Wertschätzung. Ein Foto, ein Name, ein kurzer Moment im Rampenlicht. Klingt gut, greift in der Logistik aber oft zu kurz. Denn hier entsteht Leistung nicht im Alleingang, sondern im Zusammenspiel vieler Prozesse, Übergaben und Teams entlang der gesamten Kette. 

Das Problem mit „Mitarbeiter*in des Monats“

Das Konzept ist bekannt: Jeden Monat wird eine Person ausgezeichnet und sichtbar gemacht. Der oder die „Mitarbeiter*in des Monats“ soll Motivation schaffen, Leistung anerkennen und Orientierung geben.

In der modernen Logistik ist dieses Modell nicht mehr zeitgemäß. Lieferketten sind komplex, eng verzahnt und stark voneinander abhängig. Leistung entsteht nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel vieler Funktionen.

Logistik funktioniert als vernetztes System

Logistikprozesse greifen nahtlos ineinander. Jeder Schritt hat direkte Auswirkungen auf die nachfolgenden Bereiche. Genau deshalb ist es kaum sinnvoll KPIs nur für einen einzelnen Bereich oder einzelne*n Mitarbeiter*in hervorzuheben, ohne die Wechselwirkungen im gesamten Prozess mitzudenken.

Ein Beispiel aus der Praxis: Der Wareneingang arbeitet zwar schnell, produziert dabei jedoch Fehler, wodurch die Kommissionierung nacharbeiten muss, der Versand in Zeitdruck gerät und die Lieferung am Ende verspätet beim Kunden ankommt.

In diesem Ablauf lässt sich Leistung kaum einer einzelnen Person zuschreiben. Qualität und Tempo hängen vom gesamten Prozess ab.

Silo-Denken reduziert Effizienz

Viele Organisationen optimieren einzelne Bereiche getrennt voneinander. Typische Gegensätze sind Lager gegen Transport oder Disposition gegen Umschlag. Dadurch entstehen Zielkonflikte.

Ein Bereich erfüllt seine Kennzahlen, während ein anderer die Auswirkungen trägt. Individuelle Auszeichnungen verstärken diesen Effekt, da sie den Fokus auf persönliche Ergebnisse lenken. Für die Gesamtleistung ist jedoch entscheidend, wie gut die Übergaben funktionieren.

Vor- und nachgelagerte Prozesse einbeziehen

Effiziente Logistik bedeutet, den eigenen Arbeitsschritt im Kontext zu sehen. Es geht darum, die gesamte Prozesskette mitzudenken.

Wichtige Fragen sind:

  • Ist der Output so aufbereitet, dass der nächste Bereich effizient arbeiten kann?
  • Werden Probleme weitergegeben oder gemeinsam gelöst?
  • Gibt es Transparenz über den gesamten Material- und Informationsfluss?

Leistung zeigt sich daran, wie stabil und reibungslos der Gesamtprozess läuft.

Team-KPIs statt Einzelbewertung

Wenn Ergebnisse im System entstehen, sollten auch Kennzahlen systemisch gedacht werden. Deshalb bieten Team-KPIs zusätzliche Vorteile und sollten neben den bereichsinternen Daten eher honoriert werden. 

Geeignete Kennzahlen für die Messung der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit sind zum Beispiel:

  • Durchlaufzeiten entlang der gesamten Lieferkette
  • Fehlerquoten zwischen Prozessschritten
  • Termintreue über mehrere Bereiche hinweg
  • Qualität von Übergaben

Diese Kennzahlen fördern Zusammenarbeit, weil sie nur gemeinsam erreicht werden können.

Anerkennung gezielt einsetzen

Anerkennung bleibt ein wichtiger Faktor für Motivation. Entscheidend ist, was sichtbar gemacht wird. Werden einzelne Personen hervorgehoben, entsteht ein Fokus auf individuelle Leistung. Werden Teams oder Prozesse betrachtet, rückt Zusammenarbeit in den Mittelpunkt.

Formate, die sich in der Praxis bewähren:

  • Teambezogene Zielerreichung
  • Gemeinsame Reviews von Prozessverbesserungen
  • Transparente KPI-Entwicklung
  • Sichtbarkeit von bereichsübergreifender Zusammenarbeit

Prozessleistung entscheidet

Die Idee „Mitarbeiter*in des Monats“ passt nicht zu den Anforderungen moderner Logistikunternehmen. Wichtig ist, wie gut Teams entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenarbeiten.

Wer Prozesse optimiert und Schnittstellen stabil gestaltet, verbessert die Gesamtleistung nachhaltig. Gut durchdachte Team-KPIs und ein klarer Blick auf vor- und nachgelagerte Bereiche schaffen dafür die Grundlage.

Die wichtigste Leistung in der Logistik entsteht dort, wo Zusammenarbeit funktioniert und Prozesse ineinandergreifen.

Autor*in

Lisa-Marie Karusseit

Lisa ist seit mehreren Jahren als Personal- und Kommunikationsexpertin in den Bereichen E-Commerce und Logistik tätig. Bei even logistics teilt sie ihre umfangreichen Erfahrungen, führt Gespräche mit Expert*innen und zeigt auf, wie starke People & Culture-Strategien den nachhaltigen Erfolg von Logistikunternehmen fördern. Jenseits des beruflichen Alltags tobt sich Lisa mit abstrakter Kunst kreativ und auf dem Surfbrett sportlich aus.


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