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Zwischen Anwendern und Anbietern – was die Logistikbranche wirklich wissen will

Pia Mangold

Ein Gespräch mit Marvin Meyke, Chefredakteur der Fachzeitschrift materialfluss

In a nutshell: In kaum einer anderen Branche ist der Informationsfluss so entscheidend wie in der Logistik. Zwischen Fachbegriffen, Technologien und immer neuen Lösungsansätzen müssen Anwender*innen fundierte Entscheidungen treffen – und Anbieter wollen ihre Innovationen sichtbar machen. Doch treffen Angebot und Bedarf dabei wirklich zusammen?

Genau das wollte ich herausfinden. In meiner Rolle beschäftige ich mich intensiv mit der Frage, welche Informationen Anwender*innen tatsächlich brauchen, um gute Entscheidungen zu treffen, und wo Kommunikation manchmal aneinander vorbeiläuft.

Für diesen Blick hinter die Kulissen habe ich mit Marvin Meyke, dem Chefredakteur der Fachzeitschrift materialfluss, gesprochen. Die Zeitschrift berichtet seit über 50 Jahren über Trends, Technologien und Praxislösungen der Intralogistik. Marvin steht damit genau in der Mitte zwischen Anwender*innen, die Informationen suchen, und Anbietern, die sie bereitstellen.

Normalerweise ist er derjenige, der den Branchenprofis die Fragen stellt – diesmal durfte er selbst aus dem Nähkästchen plaudern.

Marvin, welche Themen stehen bei den Anwender*innen momentan besonders im Fokus?

Marvin Meyke: Großes Interesse wecken aktuell die Themen Automatisierung, Künstliche Intelligenz und Retrofit.

Woran merkst du, dass ein Thema wirklich relevant ist und Resonanz findet?

Wir haben natürlich immer unsere Online-Zugriffszahlen im Blick und sehen dort, welche Themen für unsere Leser besonders spannend sind. Auch in persönlichen Gesprächen, zum Beispiel auf Messen, bekommt man viel darüber mit, was die Branche aktuell bewegt.

In welcher Tiefe möchten Anwender*innen Informationen – eher praxisorientiert, anwendungsnah oder technisch detailliert?

Anwender möchten, meiner Meinung nach, dabei unterstützt werden, die richtige Investitionsentscheidung für ihre „intralogistische Herausforderung“ zu treffen – ganz egal, ob es dabei um einen neuen Stapler, ein Behältersystem oder eine Softwarelösung geht. Dafür braucht es grundsätzlich beides: Wir setzen viel auf praxisorientierte und anwendungsnahe Berichterstattung, gehen dabei aber bei Case Studies schon auch in die Tiefe. Erstmal muss der Leser auf eine potenzielle Lösung oder ein Produkt aufmerksam gemacht werden, um dann bis zu einem gewissen Grad detailliert informiert zu werden. So kann er selbst schon mal grob einschätzen, ob die vorgestellte Lösung oder das Produkt prinzipiell was für ihn wäre. Anschließend kann er sich beim Anbieter genauer beraten lassen.
 

Ich kann diesen Punkt nur unterstreichen. Bei even machen wir die gleiche Erfahrung: Themen müssen auf unterschiedlichen Ebenen erzählt werden. Je nachdem, wo jemand in seinem Entscheidungsprozess steht, braucht es eine andere Art von Information. Wer ganz am Anfang steht, sucht eher Orientierung und manchmal auch erstmal einen unterhaltenden Zugang zum Thema. Wer schon tiefer drin ist, braucht klare Fakten, Vergleichbarkeit und vor allem Erfahrungen aus der Praxis, zum Beispiel in Form von Case Studies oder Bewertungen bisheriger Anwender*innen.

Das klingt in der Theorie logisch. Klappt das denn in der Praxis oder hast du den Eindruck, dass Anbieter manchmal an den Anwender*innen vorbeikommunizieren?

Hier kann es meiner Wahrnehmung nach vorkommen, dass die Perspektiven nicht ganz deckungsgleich sind: Anbieter sind natürlich die absoluten Experten für ihr Produkt oder System und kennen dieses bis ins kleinste Detail, vielleicht auch mal zu sehr auf die technische Besonderheit an sich fokussiert. Der Anwender sucht hingegen in erster Linie nach dem konkreten Nutzen.

Welche Rolle nehmen da Fachmedien wie materialfluss ein?

Unser Job ist es, die Anwender neutral und redaktionell ansprechend zu informieren. Und zwar über verschiedenste Kanäle und eine variable Informationstiefe. Da spielen Fachmedien nach wie vor in der Informationsbeschaffung eine der zentralen Rollen. Natürlich müssen Unternehmen schauen, dass sie sich zum Beispiel in puncto SEO gut positionieren oder auch auf Messen und Events wahrgenommen werden. Aber für den Anwender geht es ja in der Regel darum, für seine spezielle Herausforderung die passende Lösung zu finden. Hier ist es unser Job, die Augen aufzuhalten und spannende Lösungen von Unternehmen in den Fokus zu rücken. Und natürlich auch genauso wichtig: Die Leserinnen und Leser darüber informieren, was aktuell gerade in der Branche los ist.

Neben der Fachpresse gibt es dann natürlich auch andere Kanäle, wie Messen, Social Media oder auch persönliche Kontakte. Wie kombinieren Anwender*innen deiner Erfahrung nach diese Kanäle?

Social Media wird oft als „Anstupser“ für Themen genutzt, um erstmal überhaupt was auf die Schnelle mitzubekommen. Auch wir nutzen die Kanäle, um auf Meldungen und Themen aufmerksam zu machen und um auf unsere Online-Berichterstattung zu verweisen. Fachmedien bringen aber natürlich – insbesondere print und mit E-Paper-Formaten – dann noch viel mehr Tiefe rein.

Messen sind mit Sicherheit wichtig, um Detailfragen zu klären und noch mehr über die Anbieter zu erfahren. Auch Vertrauensbildung ist hier sicher wichtig: Man will ja doch wissen, mit wem man Geschäfte macht. Die menschliche Komponente sollte man da nicht unterschätzen.

Wie verändert sich dadurch deine redaktionelle Arbeit?

Wir müssen flexibel sein und verschiedene Content-Formate bedienen, um unseren Leserinnen und Lesern die Infos, die ihnen wichtig sind, weiterhin im passenden Rahmen zur Verfügung stellen zu können. Auch der persönliche Kontakt bei Branchenveranstaltungen und Events, sowohl zu Anbietern als auch zu Lesern, ist für uns essenziell.
 

Da bin ich ganz bei Marvin: Kommunikation funktioniert heute nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip. Menschen informieren sich heute auf ganz unterschiedlichen Kanälen – und jeder Kanal hat seine eigene Sprache, Dynamik und Logik. Was in einem Fachartikel überzeugt, funktioniert auf LinkedIn vielleicht völlig anders, und auf einer Messe zählt vor allem das persönliche Gespräch. Genau diese Vielfalt macht Kommunikation herausfordernd, aber auch unglaublich spannend. 

Marvin, wo wir gerade von unterschiedlichen Formaten sprechen: Bei euch läuft ja aktuell die Anmeldephase für den Produkt des Jahres-Award. Wenn du mal auf die bisherigen Preisträger zurückblickst – spiegeln sie wider, was Anwender*innen wirklich interessiert?

Wir selbst sind jedes Jahr immer super gespannt, wer das Rennen in den einzelnen Kategorien macht. Da die Sieger ja im Rahmen einer Leserwahl bestimmt werden, glaube ich schon, dass das einen sehr guten Einblick gibt, welche Produkte und Lösungen auch in der Praxis beim Anwender einen großen Nutzen entfalten.

Welche Funktion hat der Award, dient er eher als Trendbarometer oder als Bühne für Innovationen?

Vor allem als Bühne für Innovationen und deren Potenzial in der Anwendung. Bei den materialfluss Produkten des Jahres stehen die Alleinstellungsmerkmale und der ganz konkrete und praktische Nutzen im Vordergrund.

Was würdest du Anbietern raten, die sich bewerben möchten?

Sich erstmal bis spätestens zum 7.11. auf www.materialfluss.de bewerben (lacht). Und dann die Besonderheiten ihres Produktes oder Projektes, sowie den praktischen Nutzen möglichst klar in der Bewerbung herausarbeiten.

Gibt es in diesem Jahr Themen oder Entwicklungen, bei denen du besonders gespannt bist, welche Lösungen eingereicht werden?

Was mich ganz persönlich an unserer Branche fasziniert, ist, dass quasi jede Komponente eines Materialflusses einen wichtigen Unterschied machen kann. Deswegen bin ich eigentlich auf alle Nominierungen gleichermaßen gespannt.

Marvin, bevor wir das Interview beenden, würde mich noch interessieren, wie die Kommunikation zwischen Anwender*innen und Anbietern in deiner perfekten Welt aussehen würde. Oder anders gefragt: Was wünscht du von der Branche wünschen, damit Informationen künftig auch wirklich ankommen?

Als Redakteur wünscht man sich natürlich immer, dass Unternehmen in ihren Pressemitteilungen nicht nur schreiben, dass ihre Lösung besonders innovativ ist, sondern auch begründen warum. Manche beherzigen das eher, manche weniger. Dabei liegt gerade darin für Unternehmen eine große Chance, wenn sie den besonderen Mehrwert ihrer Produkte klar und überzeugend kommunizieren.


Das Gespräch mit Marvin hat mir einmal mehr gezeigt, dass gute Kommunikation kein Zufall ist. Sie entsteht dort, wo Menschen sich wirklich in die andere Seite hineinversetzen – know your audience. Es geht nicht darum, möglichst laut zu sein, sondern die richtige Tiefe, den passenden Ton und das passende Format zu finden. Wer versteht, wann Menschen welche Informationen brauchen, kann Inhalte so gestalten, dass sie wirklich etwas bewirken. Und – da sind Marvin und ich uns einig – genau das macht Kommunikation im Logistikmarkt so spannend.

 

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Autor*in

Pia Mangold

Pia ist Head of Marketing bei even logistics und Host des Logistik-Podcasts Out of the Box. Durch ihre Erfahrung im strategischen Marketing auf Anbieterseite und den regelmäßigen Austausch mit unterschiedlichsten Akteuren – ob Anbieter oder Anwender*in – kennt sie beide Seiten der Logistik-Welt. Ihre Mission: Die Kommunikationslücke zwischen diesen beiden Perspektiven zu schließen und zu zeigen, wie vielseitig, innovativ und zugänglich Logistik wirklich ist.


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