• Aus der Praxis
  • Interview

Austausch statt Bauchgefühl: Wie Entscheidungen in der Logistik heute entstehen

Johanna Peter

Leonard Jablonka von TEVEO über Erfahrungswissen, Kontakte und den Wert gemeinsamer Perspektiven.

In a nutshell: Leonard Jablonka, Head of Logistics Development bei TEVEO, spricht über die Bedeutung von Austausch zwischen Logistikverantwortlichen. Warum informelle Räume wertvoll sind, wie über Community-Kanäle echte Kontakte entstanden und welchen Einfluss Erfahrungsberichte auf Entscheidungen haben. Ein Gespräch über Offenheit, Augenhöhe und den Blick über die eigene Branche hinaus.

even: Leonard, wie hat sich der Austausch in der Logistikbranche aus deiner Sicht verändert?

„Man trifft sich natürlich weiterhin auf Messen oder klassischen Veranstaltungen. Aber vieles davon ist von Firmen organisiert und dort schwingt automatisch ein gewisser Vertriebsfokus mit. Austausch passiert, aber nicht immer frei. Neue Räume, wie die even Community, in denen man deutlich ungezwungener sprechen kann, tun dem Austausch gut.“

even: Viele sagen, es brauche Orte, an denen man ohne Druck sprechen kann. Wie erlebst du das?


„Es hilft enorm, Fragen offen stellen zu können oder einfach mitzulesen, was andere bewegt. Man bekommt echte Einblicke aus der Praxis. Und spannend ist die Mischung: vom stellvertretenden Lagerleiter bis zum Supply-Chain-Director ist alles vertreten. Man diskutiert über alltägliche Themen genauso wie über komplexe Automatisierung oder Software. Diese Breite macht es wertvoll.“

even: Wie bist du damals in die Community gekommen?


„Über LinkedIn. Ich war mit Andreas lose im Austausch, irgendwann kam die Einladung – und so bin ich hineingerutscht.“

even: Durch die Community sind auch persönliche Treffen entstanden. Wie kam es dazu?


„Das passiert ganz natürlich. Man lernt Leute kennen, tauscht sich aus und irgendwann fragt jemand: ‚Wollt ihr mal vorbeikommen?‘ So sind wir zum Beispiel mit Unternehmen aus dem E-Commerce und der Automatisierung ins Gespräch gekommen. Wir haben uns Anlagen zeigen lassen, Prozesse verglichen und über Herausforderungen gesprochen. Das hätte ohne diese Kanäle vermutlich nie stattgefunden.“

even: Gab es auch Momente, in denen daraus tatsächlich konkrete Hilfe entstand?


„Ja, es gab Situationen, in denen Unternehmen sich spontan unterstützt haben, zum Beispiel wenn gerade vor einem Peak etwas ausgefallen ist oder bestimmte Ersatzteile dringend gebraucht wurden. Solche Sachen funktionieren nur, wenn man sich kennt und Vertrauen aufgebaut hat.“

even: Warum sind informelle Räume deiner Erfahrung nach oft ehrlicher als öffentliche Formate?


„In solchen Gruppen spricht man anders als in der Öffentlichkeit. Bewertungen oder kritische Erfahrungen öffentlich zu teilen ist oft schwierig – wegen Beziehungen, Verträgen oder laufenden Projekten. Im direkten Austausch kann man trotzdem ehrlich über Erfahrungen sprechen, auch über die schwierigen Dinge. Das ist hilfreich, ohne dass es gleich breit publik wird.“

even: Ihr habt über den Austausch auch Impulse für eure Systemwahl bekommen. Wie lief das ab?


„Die ersten Ideen kamen aus verschiedenen Brainstormings und Marktrecherchen, aber über die Community sind wir mit Anwendern ins Gespräch gekommen, die die betreffenden Systeme im Einsatz haben. Genau das macht den Unterschied: man bekommt echte Erfahrungsberichte. Ich kenne viele Systeme und trotzdem gibt es Anbieter, die man nicht auf dem Schirm hat. Durch solche Gespräche wird der Blick breiter. Man merkt, wo man selbst blind ist.“

even: Wie wichtig ist für dich der Blick über den eigenen Branchenschwerpunkt hinaus?

„Der Austausch über Branchen hinweg ist sehr spannend. Wir sind bei TEVEO klar im E-Commerce, aber über die Community spreche ich mit Leuten aus Produktion, Medizintechnik oder anderen Bereichen. Gerade jetzt, wo wir unsere Marke fayn in die zentrale Logistikabwicklung integrieren und Themen wie Chargenmanagement für uns relevanter werden, hilft das enorm. Man bekommt Perspektiven, die man sonst nicht erreichen würde.“

even: Gab es Momente, in denen du besonders gemerkt hast, wie stark sich Logistik gerade verändert?


„Ja. Wenn neue Lösungen vorgestellt werden, etwa im Automatisierungsbereich, und man sieht, wie andere das einschätzen – dann bekommt man sehr schnell ein Gefühl dafür, wie sich die Branche gerade bewegt. Für tiefere Diskussionen sind Events oft geeigneter, aber der schnelle Draht über solche Gruppen zeigt gut, welche Themen gerade wirklich relevant sind.“

 

Fazit

Austausch wirkt, besonders dann, wenn er ehrlich, unkompliziert und auf Augenhöhe passiert. Für Leonard entstand daraus ein klarer Mehrwert: neue Kontakte, praktische Hilfen, erweiterte Perspektiven und Impulse für Entscheidungen. Für Logistikentscheider zeigt sich, wie wertvoll eine Community und echter Austausch sein können, und das über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg.

Du triffst Logistikentscheidungen?
Dann werde Teil der even Community – ein Raum für Anwenderinnen und Anwender, die sich offen austauschen und voneinander lernen wollen.

Schreib uns einfach an info@even-logistics.com.

Autor*in

Johanna Peter

Johanna Peter ist Content Marketing Managerin bei even logistics. Mit einem Hintergrund in Journalismus und Kommunikation beschäftigt sie sich mit den Themen und Perspektiven, die den Logistikalltag prägen. Bei even führt sie Interviews mit Menschen aus der Praxis und bereitet ihre Einblicke für den Blog auf. Seit 2025 ist sie Teil des Teams und bringt einen unvoreingenommenen Blick auf die Branche mit – besonders auf die Fragen, die sich rund um Entscheidungen, neue Technologien und Veränderungen stellen. Im Mittelpunkt steht für sie der Austausch: verstehen, einordnen, weitersagen. Abseits von even liebt sie gute Geschichten – egal ob in Büchern, Podcasts oder unterwegs beim Reisen.


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