• Yard Management

Wie digital gesteuertes Yard Management Zeit und Nerven spart

even

Über zentrale Praxisfragen aus dem even Webevent mit Würth Industrie Service und myleo / dsc.

In a nutshell: Wenn Lkw zu früh oder zu spät kommen, Fahrende an der Pforte warten und das Wachpersonal versucht, den Überblick zu behalten, dann wird klar: Ohne Transparenz wird’s auf dem Hof schnell eng. Im even Webevent mit Würth Industrie Service und myleo / dsc ging es genau darum: Wie lässt sich Hofverkehr smarter steuern, Sprachbarrieren abbauen und Sicherheit erhöhen?

Dabei wurde schnell deutlich: Das Thema Yard Management trifft einen Nerv. Viele Teilnehmende wollten wissen, wie die digitale Steuerung auf dem Werksgelände in der Praxis funktioniert und stellten im Chat zahlreiche Fragen.
Weil das Interesse so groß war und viele Themen im Live-Gespräch nur angerissen werden konnten, haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten hier noch einmal gesammelt und aufbereitet.

 

Du hast das Webevent verpasst? Hier gehts zur kompletten Aufzeichnung.

 

Ihr habt ja gerade erklärt, dass sich die Fahrer über ein Terminal anmelden und einchecken. Bucht das Zeitfenster dafür eigentlich der Fahrer selbst oder macht das die Spedition?

Marcel Leimbach: In der Regel übernimmt das die Spedition oder der Disponent, nicht der Fahrer selbst. Die Lkw-Fahrer kommen mit einem bereits gebuchten Zeitfenster auf das Gelände. Über das Terminal wählen sie dann ihre Sprache und checken eigenständig ein.

 

Was passiert, wenn ein Lkw sein Zeitfenster verpasst hat?

Marcel Leimbach: Ein einheitliches Schema gibt es nicht. Wer zu spät kommt, muss sich zunächst hinten anstellen – Fahrzeuge mit gebuchten Slots haben Vorrang. Wenn später noch Kapazität frei ist, wird das Fahrzeug nachträglich abgefertigt. Kommt ein Lkw allerdings erst kurz vor Feierabend oder deutlich nach seinem Slot, erhält er ein neues Zeitfenster für den Folgetag.

 

Neben klassischen Anlieferungen gibt es ja auch Sammelgut und Paketdienste, die flexibel kommen. Wie funktioniert das im System, buchen sich Sammelgut-Lkw auch ein Zeitfenster, und was passiert mit spontanen Paketanlieferungen?

Marcel Leimbach: Sammelgut wird über Dauerzeitfenster abgewickelt – also feste Slots zu festen Uhrzeiten. Paketdienstleister, die spontan kommen, melden sich am Terminal an und können ohne vorherige Avisierung einchecken. Da sie keine Rampe blockieren, läuft der Prozess unkompliziert und kurz.

 

Ihr habt eben das Thema Sicherheit angesprochen. Wie habt ihr dabei die Prüfmechanismen gelöst, zum Beispiel Ladungssicherung und andere Checks?

Marcel Leimbach: Dafür gibt es im System einen eigenen Prozessschritt. Der Fahrer bestätigt per Smartphone, dass die Ladungssicherung erfolgt ist. Derzeit läuft das bei uns zusätzlich noch in Papierform, soll aber vollständig ins digitale System überführt werden.

Christian Piehler: Bei anderen Unternehmen werden Fotos der Ladung oder doppelte Signaturen von Fahrer und Lademeister genutzt. Alles wird im System dem jeweiligen Transport zugeordnet und bleibt nachvollziehbar.

 

Wie wird Fahrerfehlverhalten erkannt, etwa wenn jemand an einem anderen Ort abstellt als vorgesehen?

Marcel Leimbach: Solche Fälle sind selten, werden aber durch technische Kontrolle abgesichert. Kameras auf dem Werksgelände erfassen Fahrzeugbewegungen und helfen, Abweichungen zwischen System und Realität zu erkennen.

Christian Piehler: Ergänzend warnen automatische Statusmeldungen, wenn sich ein Fahrer zu lange an einem Ort befindet. So bleibt der Überblick jederzeit gewährleistet – und Fehlverhalten wird zur Ausnahme.

 

Gab es sofort eine Schnittstelle zum ERP-System oder zunächst eine Standalone-Lösung?

Christian Piehler: Zunächst lief das System eigenständig. Eine direkte Anbindung an SAP ist geplant, sobald Würth die Systemumstellung abgeschlossen hat. Viele Unternehmen gehen diesen Weg in zwei Schritten: Erst operativ starten, dann integrieren.

 

Sind Speditionen verpflichtet, eure Lösung zu nutzen?

Christian Piehler: Nein, aber sie tun es ohnehin – Avisierung und Zeitfensterbuchung sind heute Standard. Spediteure profitieren ja selbst davon: Sie kommen schneller durch den Prozess und reduzieren Standzeiten.

 

Funktioniert die Applikation wirklich auf jedem Smartphone?

Christian Piehler: Ja. myleo / dsc ist eine Web-Applikation, keine App. Das heißt: Es spielt keine Rolle, ob jemand ein iPhone, Android-Gerät oder Tablet nutzt – der Zugang läuft einfach über den Browser.

 

Wie hoch ist der tägliche Lkw-Verkehr am Standort?

Marcel Leimbach: Im Schnitt rund 120 Fahrzeugbewegungen pro Tag, unabhängig von Größe oder Gewicht.

 

Begleitet myleo den Fahrer während des gesamten Aufenthalts, inklusive Check-out?

Christian Piehler: Ja, der Fahrer wird durchgehend geführt. Das System arbeitet mit einem Aktivitätenplan, der ihn über alle Schritte auf dem Hof leitet – vom Check-in bis zur Ausfahrt.

 

Wie werden die Status erfasst, automatisch oder manuell?

Marcel Leimbach: Beides. Check-in und Schrankenbewegungen sind automatisiert, ebenso der Wechsel zwischen einzelnen Prozessschritten. Nur beim Abruf zur Rampe erfolgt ein Klick durch das Verladepersonal. Kameras sollen künftig zusätzliche Datenpunkte liefern.

 

Wie aufwendig war die Implementierung des Slot-Managements, vor allem für Lieferanten und Spediteure?

Marcel Leimbach: Der Aufwand war überschaubar, weil wir das Avisieren schon kannten. Wichtig war, die Partner frühzeitig einzubinden. Dafür haben wir Workshops und Webinare mit myleo / dsc organisiert, um den neuen Prozess Schritt für Schritt zu erklären.

 

Digitale Yard-Prozesse schaffen nicht nur Effizienz, sondern auch Ruhe im Ablauf. Transparente Abläufe, automatisierte Meldungen und klare Regeln auf dem Hof machen den Unterschied und zeigen, wie moderne Steuerung in der Praxis aussieht.


Mehr über myleo / dsc erfährst du hier.  

 

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