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Wie bringt man Logistik auf Papier?
Über den Hintergrund eines 150-Seiten Fachreports und darüber, wie sich Logistik erzählen lässt.
Es gibt diesen einen Tag im Report-Prozess, manchmal auch diese eine Woche, da erscheint ein stimmiges Produkt sehr weit weg. Autor A ruft an „Ich weiß, die Deadline rückt näher, aber können wir nochmal das Thema abstimmen?“ während Autorin B schon an einem ganz anderen Punkt ist „Was ist denn an Marketing für den Launch geplant?“. Dieser Zeitpunkt fühlt sich an wie ein Umstieg in einem großen Flughafen: Du rennst zwischen Gates, im Blick immer die Uhr, im Ohr neue Durchsagen. Ein Flug verspätet sich, ein anderer wird vorgezogen, irgendwo fehlt noch ein Dokument.
Nach dem Launch unseres dritten Reports ist es nicht so, dass mich als Koordinatorin des Reports solche Situationen von einer neuen Auflage abschrecken würden. Im Gegenteil, insgeheim würde ohne diese Tage etwas fehlen. Um es mit einer Logistik-Metapher zu untermalen: Vielleicht ähnlich wie der jährliche November-Peak während der Black-Week im E-Commerce-Lager?
In diesem Beitrag geht es nicht um die Themen der Reports selbst, sondern um das Davor: wie bringt man viele Perspektiven so zusammen, dass am Ende etwas entsteht, das sich gut lesen lässt und Orientierung gibt. Einmal kompakt, Schritt für Schritt.
Der Startpunkt: Kick-offs, Leitplanken und die Spielregeln für den Report
Wer unsere Reports kennt, weiß, dass ein großer Teil des Inhalts aus Fachbeiträgen von Unternehmen besteht, genauer gesagt von Lösungsanbietern. Um passende Anbieter zu finden, legen wir im Vorfeld das Thema und eine grobe Agenda fest und gehen mit Themenvorschlägen auf Unternehmen zu.
Sobald alle Anbieter an Bord sind, startet der redaktionelle Prozess. In einem Kick-off-Call besprechen wir alles, was sie über das Format und den Schreibprozess wissen müssen. Dabei bewegen wir uns zwar auch auf der inhaltlichen Ebene, stimmen das genaue Thema des Beitrags ab und sprechen über eine mögliche Outline. Ein Großteil des Termins dreht sich aber um das Format und seine Spielregeln.
Denn wir stecken das Thema zwar ab, aber grundsätzlich sollen die Expertinnen und Experten der Unternehmen über das schreiben, worin ihre Expertise liegt und die Punkte diskutieren, die sie selbst für relevant halten. Für uns ist das ein Versuch, die Themen abzubilden, die Menschen in Fachkreisen tatsächlich beschäftigen. Das Format so ausführlich zu besprechen, hat mehrere Gründe. Ein Fachreport zu einem ausgewählten Thema würde für uns nicht funktionieren, wenn sich die Beiträge am Ende nur um Produktplatzierungen drehen. Für Werbung gibt es die sogenannten Company Profiles – eine einseitige Vorstellung des Unternehmens im Anschluss an den Fachbeitrag. Die Spielregel für den Fachbeitrag selbst lautet deshalb: kein Sales Pitch, verständliche Sprache und lieber einmal mehr erklären als zu oberflächlich bleiben.
Und zuletzt geht es auch um ganz praktische Dinge. Unsere Reports werden von unserer Grafikerin aufwendig gestaltet und gelayoutet. Damit das mit etwa 10 bis 15 teilnehmenden Unternehmen pro Report funktioniert, brauchen wir alle Inhalte nach bestimmten Vorgaben – vom Autorenbild bis zu den grundlegenden Formaten.
Der Kern steht, aber wie sieht der Rahmen aus?
Die Kick-off-Phase ist geprägt von vielen Gesprächen, Kennenlernen und Abstimmungen. Danach wird es erstmal still, zumindest nach außen. Während die externen Autorinnen und Autoren ihre Beiträge schreiben, richtet sich meine Aufmerksamkeit wieder auf die Agenda. Die zentrale Frage lautet: Was brauchen die Lesenden, um gut in die Fachbeiträge reinzufinden?
Welche Themen lassen sich besser von uns als neutralere Instanz einordnen? Welche Fragen stellen sich Logistikentscheider, bevor sie eine Entscheidung treffen?
Aus diesem Blickwinkel entsteht der redaktionelle Teil des Reports. Hier versuchen wir, den Leserinnen und Lesern Orientierung zu geben – manchmal auf einer Meta-Ebene, manchmal ganz praktisch, etwa mit Checklisten oder Reflexionsfragen. Während die Anbieter also schreiben, arbeiten wir parallel an diesem Rahmen. Ziel ist, dass alle Inhalte ungefähr zur gleichen Zeit fertig werden.
Die Phase, in der Entwürfe einlaufen und der Feinschliff beginnt
Sobald die ersten Beiträge eingehen, sammelt sich nach und nach der gesamte Inhalt des Reports an einem Ort. Jetzt beginnt eine Phase, in der viele kleine Dinge zusammenkommen: Entspricht der Beitrag unserer No-Sales-Pitch-Regel? Sind alle Bilder vorhanden? Fehlen noch Autorinnen- oder Autoreninfos?
Jeder Beitrag wird einmal komplett durchgesehen, angepasst und vorkorrigiert. Gleichzeitig wird auch der redaktionelle Teil noch einmal überprüft. Denn jetzt, wo die Fachbeiträge vorliegen, zeigt sich deutlicher, wie der Hauptteil des Reports tatsächlich aussieht. Bei einem so umfangreichen Projekt bewegt man sich ständig zwischen zwei Perspektiven: dem Detailblick auf einen einzelnen Beitrag und der Gesamtansicht des Reports.
Das Ziel bleibt dabei immer dasselbe: Die Lesenden sollen im besten Fall nicht nach einem Beitrag aufhören zu lesen, sondern innerhalb eines stimmigen Gesamtkonzeptes zum Weiterlesen eingeladen werden. Sind die Inhalte vorbereitet, gehen sie an unsere Grafikerin, die daraus eine erste Ansicht des Reports erstellt.
Der Blick aufs Ganze: Wenn aus vielen Beiträgen ein fertiger Report wird
In den Korrekturrunden zeigt sich oft, dass Inhalte noch einmal mit einer anderen Ernsthaftigkeit gelesen werden. Taugt das alles für die Öffentlichkeit? Würde ich wirklich jedes Wort so unterschreiben – auch noch in einem Jahr oder in fünf? Dieser Feinschliff macht den Report am Ende zu dem, was er ist. Kapitel werden noch einmal angepasst, Querverweise ergänzt und Details geschärft. Spätestens hier kommt auch ein weiterer Blick dazu: Welche Inhalte eignen sich gut für die Bewerbung? Welche Zitate oder Grafiken wecken Interesse? Denn natürlich soll etwas, das über Wochen entstanden ist, am Ende auch seinen Weg zur Zielgruppe finden.
Am Ende ist der Report einfach da. Man lädt ihn runter, scrollt durch die Seiten, bleibt hier hängen, liest da einen Absatz zu Ende, markiert sich vielleicht ein Zitat. Und alles wirkt im besten Fall so, als wäre es schon immer genau so gedacht gewesen.
Davor ist es oft eher wie am Flughafen – um auf die Metapher vom Anfang zurückzukommen: Vieles passiert gleichzeitig, ständig kommt noch etwas rein, hier fehlt eine Datei, dort braucht es noch eine Rückfrage. Und trotzdem muss am Ende alles zur gleichen Zeit am gleichen Ort landen.