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Was bedeutet WMS, WCS und WES?

even

Über die Unterschiede zwischen WMS, WCS und WES und warum die Begriffe im Alltag oft verwechselt werden.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Report „State of WxS 2025 Cloud KI und ROI“. Im Report nutzen wir WxS als Sammelbegriff für Software rund ums Lager: WMS (Warehouse Management System), WCS (Warehouse Control System) und WES (Warehouse Execution System). Weil diese Begriffe im Alltag oft durcheinandergehen, ordnen wir sie hier einmal klar ein. Den vollständigen Report kannst du kostenlos hier herunterladen: Report State of WxS 2025 kostenlos downloaden.

Was früher schlicht „Lagerverwaltung“ hieß, ist heute ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Daten, Systemen und Materialflüssen. Doch bevor es darum geht, welches System zu welchem Lager passt, braucht es einen gemeinsamen Nenner: Was meinen wir eigentlich, wenn wir von „WxS“ sprechen?

WxS steht als Sammelbegriff für verschiedene Softwarelösungen, die Lagerprozesse verwalten oder steuern. Dazu gehören Warehouse Management Systeme (WMS), Warehouse Control Systeme (WCS) und Warehouse Execution Systeme (WES). Drei Systeme, die oft in einem Atemzug genannt werden, sich aber grundlegend unterscheiden – in Funktion, Verantwortung und Integrationstiefe.

In der Praxis sind die Übergänge oft fließend und manche Systeme kombinieren Funktionen. Die folgende, etwas vereinfachte, Einordnung soll dir eine erste Orientierung geben und dich dabei unterstützen, typische Merkmale und Zuständigkeiten zu verstehen.

WMS: Verwalten und wissen

Das Warehouse Management System ist der klassische Verwaltungsprofi im Lager. Es weiß genau, wo sich welcher Artikel befindet, wie viel davon da ist und was als Nächstes ansteht. Das WMS vergibt Lagerplätze, bucht Bestände und plant, wie Waren vom Wareneingang zum Kommissionierer und von dort zum Warenausgang gelangen. Es denkt dabei in logischen Schritten: was, wann, wohin – und wie passt das zum Auftrag?

Man kann sich das WMS wie ein sehr gut organisiertes Lagerbüro vorstellen: Es kennt alle Abläufe, aktualisiert ständig seine Bestandslisten und weiß, was im Lager gerade passiert. Was es nicht tut: Maschinen steuern oder selbst entscheiden, ob heute die C-Ware wichtiger ist als die A-Ware.

Kurz gesagt: WMS = Verwaltung. Es kümmert sich um Struktur, Überblick und Planung und ist damit die Grundlage für alles, was danach kommt.

Typische Use Cases für WMS

  • Lagerplatzverwaltung mit chaotischer Einlagerung
  • Bestandsführung & rollierende Inventur
  • Multi-Client-fähige Steuerung in Fulfillment-Lagern
  • Anbindung an ERP & Versandlogik
  • Auftragsverfolgung über Pick-, Pack- und Versandprozesse

WCS: Steuern und bewegen

Das Warehouse Control System ist das Nervensystem für alle physischen Abläufe im Lager. Es steuert die Fördertechnik, koordiniert Roboter, synchronisiert Quergurtsorter und sorgt dafür, dass sich alles in der Halle möglichst reibungslos bewegt.

Im Gegensatz zum WMS oder WES arbeitet das WCS in Echtzeit, oft mit Millisekunden-Reaktion. Es übersetzt logistische Aufträge in maschinennahe Befehle: „Palette 123 auf Spur A schicken“, „Shuttle auf Ebene 2 holen“, „AMR zur Packstation“. Dabei muss es mit vielen Komponenten gleichzeitig sprechen, sicher und zuverlässig.

Kurz gesagt: WCS = Steuerung. Es übersetzt logistische Pläne in maschinelle Bewegung – und sorgt dafür, dass Fördertechnik, Shuttles & Co. zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Typische Use Cases für WCS

  • Direkte Steuerung von Förderanlagen, Liften und Shuttles
  • Verkehrsmanagement für AMRs und AGVs
  • Sequenzierung an Übergabepunkten zur Kommissionierung
  • Realtime-Kommunikation mit SPS und Sensorik
  • Schnittstellen zu Roboterflotten und Materialflussrechnern

WES: Priorisieren und takten

Das Warehouse Execution System sitzt genau zwischen Planung und physischer Ausführung. Es gibt den Takt vor und bestimmt, wie schnell und flexibel das Lager auf Veränderungen reagieren kann: Wo staut es sich gerade? Welcher Auftrag ist wichtiger? Wo muss ich umpriorisieren?

Das WES arbeitet wie ein Taktgeber mit Übersicht: Es hat die Fähigkeit, live zu beobachten, wie sich Aufträge entwickeln, Engpässe zu erkennen und dann Regeln anzuwenden, die sagen, was gerade Priorität hat. In modernen Setups nutzt es dafür KPIs, Ressourcenstatus oder auch Simulationen.

Kurz gesagt: WES = Taktung. Es ordnet, priorisiert und bringt Bewegung in die Prozesse, ohne direkt an Motoren oder SPS (Speicherprogrammierbare Steuerungen) zu greifen.

Typische Use Cases für WES

  • Dynamische Priorisierung von Kommissionieraufträgen
  • Ausbalancierung bei Bottlenecks (z. B. Vermeidung von Staubereichen)
  • Regelwerke zur Steuerung von Pufferplätzen
  • KPI-gestützte Ablaufsteuerung
  • Simulationsunterstützung zur Strategieoptimierung

WMS, WCS, WES: Braucht es diese Begriffe wirklich noch?

Im Alltag zählt, dass das System läuft und die gewünschten Funktionen vorhanden sind. Ob es sich dabei um ein WMS, ein WES oder ein WCS handelt, ist für viele operative Nutzende zweitrangig. Für Projektteams, Systemverantwortliche oder Entscheiderinnen und Entscheider sieht das anders aus. Denn sobald Anforderungen formuliert, Ausschreibungen erstellt oder Architekturen bewertet werden, stellt sich die Frage nach der Systemlogik.

Ein Warehouse Management System strukturiert Prozesse, verwaltet Bestände und organisiert klassische Lagerfunktionen. Ein Execution System sorgt für taktische Ablaufsteuerung, Auslastungsausgleich und kurzfristige Reaktionsfähigkeit. Ein Control System kommuniziert direkt mit Maschinen und Anlagen, trifft Entscheidungen im Sekundenbereich und greift in Echtzeit in den Materialfluss ein. Diese drei Rollen ergänzen sich, aber sie sind nicht austauschbar.

Wer sie verwechselt, riskiert falsche Erwartungen, überlappende Funktionen oder Lücken in der Steuerung. Besonders kritisch wird es, wenn Systemgrenzen nicht sauber definiert sind und sich im Projektverlauf niemand mehr zuständig fühlt.

Gleichzeitig ist klar: Die Begriffe reichen oft nicht mehr aus, um moderne Architekturen präzise zu beschreiben. Viele Anbieter entwickeln ihre Lösungen modular, verschieben Aufgaben innerhalb der Systeme oder bieten integrierte Plattformen an. Dabei entstehen neue Namen wie Execution Platform, Unified Control System oder Logistics Operating System. Diese Begriffe sind nicht falsch – aber sie ersetzen keine Systemkategorien. Oft bleibt unklar, was sich technisch genau dahinter verbirgt.

Vielleicht braucht es auch keine neuen Namen, sondern ein anderes Denken. Nicht entlang historisch gewachsener Labels, sondern entlang der Funktionen: Steuert ein System direkt Technik? Reagiert es in Echtzeit? Plant es Prozesse strategisch oder taktisch? Welche Rolle übernimmt es im Gesamtgefüge?

Diese Sichtweise ersetzt die alten Begriffe zwar nicht, aber sie hilft, Systeme besser zu verstehen. Und sie ermöglicht es, Anbieter wirklich miteinander zu vergleichen, auch wenn deren Lösungen sich nicht mehr in klassische Schubladen einordnen lassen.

Die Begriffe WMS, WES und WCS werden nicht verschwinden. Sie sind etabliert, bekannt, nützlich. Aber wer Projekte heute erfolgreich steuern will, sollte sie nicht nur verwenden, sondern kritisch einordnen. Und wissen, wo ihre Erklärungskraft endet.

 

Du willst mehr zu WxS? Den vollständigen Report zu dem Thema kannst du kostenlos hier herunterladen: Report State of WxS 2025 kostenlos downloaden.

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