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Daten aus der Packstraße: Erst wissen, was du verschickst, dann automatisieren

even

Antworten aus dem even Webevent mit Torben Schultze, Sales Director bei Ranpak.

In a nutshell: Jede Packstraße produziert Daten, aber viele Unternehmen gehen damit zu lasch um. Torben Schultze von Ranpak sieht das täglich: Oft fehlen schon die Abmessungen der Artikel, die verschickt werden. Im Webevent erklärt er, welche Daten wirklich zählen, warum zwei Wochen Auftragsdaten nicht reichen und wie sich Leerraum in der Praxis messen lässt. Dabei stellt er klar: Füllmaterial macht aus Leerraum keinen PPWR-konformen Karton. Die Leerraumgrenze von 50 Prozent gilt ab 2030, und Automatisierungsprojekte können locker vier Jahre dauern. Deshalb rät er, jetzt anzufangen und die PPWR als Chance zu sehen.

Welche Daten gibt eine Packstraße her, und was muss ich wirklich herauslesen?

Torben: Was ich tagtäglich sehe: Mit diesen Daten wird einfach zu lasch umgegangen, gerade in nicht automatisierten Lagern. Viele sind im täglichen Arbeitsrhythmus gefangen und wachsen gleichzeitig stark, im E-Commerce wie in anderen Branchen mit Onlineversand. Und wenn man wächst und Geld verdient, schaut man nicht so genau hin.

Fangen wir mit den Artikeldaten an. Ich meine nicht Artikelbezeichnung oder Artikelnummer, sondern wirklich geometrische Daten: Wie lang, breit und hoch ist das Produkt, das ich versende? Die sind oftmals nicht vorhanden. Alles, was danach kommt, ob Prozesse oder Richtlinien, braucht sie früher oder später als Grundlage.

Dazu kommen reale Auftragsdaten: Welche Artikel landen zusammen in einem Karton, in einer Order? Diese Daten sollten mindestens drei Monate abdecken. Manche Kunden kommen zu mir und haben 14 Tage reingeschaut. Das reicht oft nicht, weil es Peaks und eine Low Season gibt.

Wichtig sind auch kritische Kombinationen. Ein Glas zusammen mit einem Hammer, blödes Beispiel, aber genau das muss ich wissen. Brauche ich dafür ein Polstersystem oder nicht? Und schicke ich eine Split Order in zwei Kartons oder zusammen in einem? Verschicke ich eher Singles oder eher Multis? Ich muss mir wirklich im Klaren sein, was ich eigentlich verschicke.

Die Packstraße soll 600 Pakete pro Stunde schaffen, es kommen aber nur 400 raus. Wo suche ich?

Torben: Das muss nicht an den Artikeldaten liegen. Es kann zum Beispiel an der Kartonage liegen. Stell dir einen manuellen Packer vor, der 15 verschiedene Kartongrößen vor sich hat und Zeit damit verbringt, den richtigen auszusuchen.

Jeder Schritt hat ein Zeitfenster: Karton auswählen, manuell aufrichten, Ware hineinlegen, gegebenenfalls polstern oder Leerraum auffüllen. Ohne optimierte Verpackungslösung wird oft einfach stumpf Papier oder Bubble hineingestopft. Dann muss der Karton noch verschlossen und gelabelt werden. Wenn statt 600 nur 400 Kartons herauskommen, sollte ich mir jeden Arbeitsplatz einzeln anschauen.

Auch zwischen Packstationen gibt es Unterschiede. Habe ich ein generelles Problem oder nur ein Qualitätsproblem an einer einzelnen Station? Wenn ein Packer für einen Schritt zehn Sekunden braucht und ein anderer nur fünf, muss ich fragen: Was läuft beim ersten anders? Ich komme aus der Automobilindustrie und sage immer: Jeder Packer ist nur so gut wie die Vorgaben, die er hat.

Bei einer automatisierten Verpackungsmaschine stellt sich zuerst die Frage nach der Technologie. Baue ich zuerst einen Karton, oder baue ich den Karton am Ende um die Produkte herum? Dabei zählt nicht nur der CapEx-Teil, sondern auch die Consumables. Box First hat grundsätzlich einen Nachteil: Der Karton für eine bestimmte Order entsteht in einem Bereich, der nicht direkt mit der Pickstation verbunden ist. Er muss zum richtigen Zeitpunkt dort ankommen. Das kann den Prozess verlangsamen und sogar ein Goods-to-Person-System blockieren. Dann kannst du Verpackungsautomatisierung kaufen, wie du lustig bist, effizient ist sie trotzdem nicht.

Wie wird Leerraum in der Praxis gemessen?

Torben: Zuerst ist ganz wichtig zu verstehen, was die PPWR unter Leerraum versteht: das Volumen des Kartons minus der Artikel. Ich kann also nicht Papier oder Airbags hineintun, auffüllen und bin damit sauber mit der Richtlinie. Das geht nicht. Leerraum bleibt Leerraum.

Messen kann ich theoretisch über das Versandvolumen der Kartons minus das Ordervolumen. Das geht selbst mit einem einfachen Excel. Wer seine Daten noch gar nicht kennt, kann auch eine Vision-Kamera in die Packstraße setzen und den Leerraum über einen gewissen Zeitraum messen. Die Technologie ist relativ ausgereift und funktioniert auch ohne Stammdaten. Am besten ist natürlich beides, auch weil sich Ausnahmen wie das berühmte Handtuch so in den Stammdaten abfangen lassen.

Die Kamera kann auch dauerhaft als Kontrollmechanismus in der Packstraße stehen. Dann lerne ich daraus, wie ich packe. Nimm ein Telefon im Karton: Leerraum gibt es daneben und darüber. Den Raum darüber kann eine Right-Sizing-Verpackungsmaschine reduzieren, den daneben nicht. Misst die Kamera zum Beispiel 50 Prozent Leerraum, kann ich den Karton auf eine Nacharbeitsstraße ausleiten. Dort wird er neu verpackt, statt sofort gedeckelt und verschickt zu werden.

Ob jedes Paket gemessen werden muss oder Stichproben reichen, ist noch offen. Nach den Informationen, die uns vorliegen, geht es um Stichproben und eine Nachweispflicht. Kritisch wird es bei Audits: Was wird auditiert, was muss ich nachweisen? Für Ausnahmen wie fragile Artikel, Flüssigkeiten oder die Leerraummessung in Versandtüten wird die EU nach meinem Kenntnisstand 2028 mit konkreten Vorgaben auf uns zukommen.

Eine Papiertüte ist ideal, wenn ich kleine Artikel habe. Plastiktüten werden von der EU kritisch beäugt, ich muss grundsätzlich weg vom Plastik hin zum Papier. Papier ist aber wetteranfällig und bietet wenig Produktschutz. Bei einem einzelnen Artikel ist der Leerraum in der Tüte für mich eigentlich gleich null. Kompliziert wird es, wenn mehrere Artikel drin sind.

Deshalb kann ich nur jeden aufrufen: Sammelt Daten, nicht nur wegen der PPWR, sondern generell. Das Wachstum wird euch irgendwann zeigen, dass ihr besser mit Daten umgehen müsst.

Ich fange heute an. Wo setze ich an, und was ist der häufigste Fehler?

Torben: Alles anschauen, weil alles miteinander zusammenhängt. Letzte Woche habe ich einen Post von einem Kunden gesehen, der sehr schnell eine Verpackungsmaschine von uns gekauft hat. Den Pick-Prozess und die Auswirkungen auf das Volumen hatte er sich nicht richtig angeschaut. Ein halbes Jahr später schrieb er: Nur eine coole Verpackungsmaschine zu kaufen, bringt nichts, wenn ich nicht das gesamte System betrachte.

Jede Verpackungsmaschine ist in ein Gesamtsystem integriert. Wer ein Goods-to-Person-System wie Autostore plant und nicht gleich die Wirkung auf die Verpackung mitdenkt, hat nicht weit genug gedacht. Das gilt auch umgekehrt für die Anbieter solcher Systeme. Hinter dem größten Autostore der Welt, das nehme ich gerne als Beispiel, stehen 250 Leute, die manuell verpacken. Damit versemmle ich im Prinzip meinen ganzen TCO am Ende der Packstraße.

Die PPWR holt das Thema nur stärker hervor. Wer im Versand wächst, kommt früher oder später ohnehin an den Punkt, nicht mehr effizient zu sein. Wir sind in Deutschland ein Hochlohnland. Neu ist, dass sich jetzt auch kleinere Unternehmen damit beschäftigen müssen, die sagen: Wir verschicken nur 500 bis 1.000 Pakete, ich mache erst mal nichts. Den Leerraum auf 50 Prozent zu begrenzen, schaffst du mit einem manuellen Prozess und 15 Kartongrößen nicht.

Viele denken, 2030 ist ja noch Jahre weg. Aber Konzeptionierung, Umsetzung, Budgetfindung und Finanzierung einer Automatisierung können locker vier Jahre dauern. Der klassische Fehler ist also das Abwarten: Wir verschicken ja nur 1.000 Kartons, das gehen wir nächstes Jahr an. Der zweite Fehler ist, nur einen Bereich zu automatisieren, zum Beispiel einen Autostore hinzustellen und den Rest später anzuschauen. Ich sehe die PPWR als Chance und nicht als Last. Sie bietet eine Menge Möglichkeiten, Kosten zu reduzieren, und Nachhaltigkeit wird immer wichtiger.

Fragen aus dem Chat

Die Teilnehmenden haben im Chat Fragen gestellt, die Torben live beantwortet hat. Die wichtigste haben wir hier zusammengefasst.

Hinweis: Die Antworten beruhen auf Torbens fachlicher Expertise und Erfahrung und sind keine juristische Beratung. Für konkrete Einzelfälle empfiehlt er eine individuelle Beratung.

Angeblich wird diskutiert, das Volumen von Versandbeuteln durch Aufblasen zu ermitteln. Ist das sinnvoll?

Torben: Davon habe ich noch nicht gehört, und ich frage mich, welchen Sinn das hat. Schau dir den Paketboten an. Er fährt heute mit rund 100 Paketen durch die Gegend und ist ineffizient, weil manchmal nur ein Telefon in einem riesigen Karton steckt. Sein Limit auf dem Wagen sind die 100 Kartons. Eine Tüte liefere ich aber nicht aufgeblasen aus. Der Artikel darin ist schon relativ optimiert verpackt. Was bringt es mir, den Leerraum im aufgeblasenen Zustand zu messen?

Fazit

Gute Entscheidungen in der Packstraße beginnen mit Daten: Artikelabmessungen, mindestens drei Monate reale Auftragsdaten und ein klarer Blick auf jeden Prozessschritt. Für die PPWR gilt: Leerraum ist Kartonvolumen minus Artikel, Füllmaterial ändert daran nichts, und messen lässt er sich per Rechnung oder Vision-Kamera. Torben Schultze rät, nicht abzuwarten und Verpackung, Kommissionierung und Materialfluss als Gesamtsystem zu planen. Wer die PPWR als Chance nutzt, kann dabei Kosten senken und nachhaltiger werden.

Du willst tiefer einsteigen? In unserer Webinar-Reihe zu PPWR und Verpackungsautomatisierung geht es weiter. Als Nächstes geht es mit CMC um Box Last Packaging. Alle Termine findest du hier: Webinar-Reihe: PPWR und Verpackungsautomatisierung

Autor*in

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